Editorial

leich beim ersten Mal sollte es die ganz große Nummer werden. Und (fast) alle spielten mit, um die Neue ins gleißende, sprich: geldwerte Licht des Salzburger Promi-Himmels zu rücken. Der Hintergrund: Man brauchte dringend attraktiven Ersatz für Anna Netrebko. Schließlich war Gounods Shakespeare-Oper «Roméo et Juliette» eigens für das singende «Traumpaar» Netrebko-Villazón angesetzt worden. Doch dann machte Super-Annas Schwangerschaft einen Strich durch die Rechnung der Marketing-Strategen.

Also wurde die junge Georgierin Nino Machaidze zur neuen Netrebko hochgejubelt, bevor sie noch einen einzigen Ton in der Felsenreitschule gesungen hatte. Einen Plattenvertrag (mit der Decca) hat die 25-Jährige bereits in der Tasche. Da passt es allzu gut ins Bild, dass Broadway-Regisseur Bartlett Sher einen Silberglitzerregen auf die Sopranistin niedergehen ließ, als diese ihre Auftrittsarie sang. Planziel erreicht: A star was born. Wieder einmal.
Vom «360-Grad-Modell» sprechen private Konzertveranstalter wie der Berliner Unternehmer Peter Schwenkow, wenn es um die Vermarktung von Künstlern geht. Gemeint ist damit jene Rundumbetreuung, die von der Produktion geeigneter Tonträger über Planung und ...

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Opernwelt September/Oktober 2008
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Albrecht Thiemann, Jürgen Otten

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