Editorial
leich beim ersten Mal sollte es die ganz große Nummer werden. Und (fast) alle spielten mit, um die Neue ins gleißende, sprich: geldwerte Licht des Salzburger Promi-Himmels zu rücken. Der Hintergrund: Man brauchte dringend attraktiven Ersatz für Anna Netrebko. Schließlich war Gounods Shakespeare-Oper «Roméo et Juliette» eigens für das singende «Traumpaar» Netrebko-Villazón angesetzt worden. Doch dann machte Super-Annas Schwangerschaft einen Strich durch die Rechnung der Marketing-Strategen.
Also wurde die junge Georgierin Nino Machaidze zur neuen Netrebko hochgejubelt, bevor sie noch einen einzigen Ton in der Felsenreitschule gesungen hatte. Einen Plattenvertrag (mit der Decca) hat die 25-Jährige bereits in der Tasche. Da passt es allzu gut ins Bild, dass Broadway-Regisseur Bartlett Sher einen Silberglitzerregen auf die Sopranistin niedergehen ließ, als diese ihre Auftrittsarie sang. Planziel erreicht: A star was born. Wieder einmal.
Vom «360-Grad-Modell» sprechen private Konzertveranstalter wie der Berliner Unternehmer Peter Schwenkow, wenn es um die Vermarktung von Künstlern geht. Gemeint ist damit jene Rundumbetreuung, die von der Produktion geeigneter Tonträger über Planung und ...
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Opernwelt September/Oktober 2008
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Albrecht Thiemann, Jürgen Otten
Die amerikanische Mezzosopranistin Grace Hoffman, die am 26. Juli 2008 im Alter von 82 Jahren in Stuttgart gestorben ist, war gewiss keine Künstlerin, die in die Annalen des Gesangs eingeht. Aber sie war eine Vertreterin jener im Zeitalter des musikalischen Jetsets rar gewordenen Spezies, die trotz aller internationalen Gastverpflichtungen über mehr als dreißig...
Es hätte so schön gepasst, sich als Rahmen für Hanno Buddenbrooks «Lohengrin»-Erlebnis das Jugendstil-Haus an der Beckergrube vorzustellen. Aber das Theater, von dem Thomas Mann in seinem berühmten Familienroman schreibt und in dem er selbst, wie er später in einem Aufsatz berichtet, in seiner Kindheit und Jugend in Lübeck eine Reihe von «zaubervollen Abenden»...
Eine Repertoireaufführung von Massenets «Werther» an der Bayerischen Staatsoper. Kaum freie Plätze, nach «pourquoi me réveiller» gibt es unvorgesehenen Zwischenapplaus für Piotr Beczala, am Ende lang anhaltenden Jubel. Dieser Werther fasziniert durch die Spannung zwischen konzentrierter Energie und scheuem Zartgefühl, zwischen Empfindsamkeit und auflodernder...
