Editorial
Sie sind jung. Sie sind preiswert. Sie sind mutig. Sagen immer dankbar ja. Auch zu Rollen, für die es eigentlich viel zu früh ist. Junge Sänger wissen: Sagen sie nein, warten hundert andere – und sie selbst fliegen vielleicht vom Karussell. Auf Nimmerwiedersehen. Jugendwahn, Zynismus, Wegwerfmentalität gehören im Umgang mit Sängern leider immer häufiger zum Alltag. Weil der Markt es erlaubt. Weil, zumal an kleinen Häusern, die Ensembles schrumpfen und immer weniger Solisten immer mehr singen müssen.
Wer am Anfang steht, hat es besonders schwer, sich gegen die Fährnisse des Betriebs zu wehren. Manche Stimmkrise ist nicht das Ergebnis individuellen Hochmuts, sondern des Systems. Aber es gibt, auch das gehört zum Bild, immer mehr Künstler und Gesangspädagogen, die gegensteuern. Der Tenor Josef Protschka etwa, ehmaliger Rektor der Kölner Musikhochschule und Initiator von ArtOpera, eines Gesangswettbewerbs ohne Altersgrenze (Seite 66). Oder die Sopranistin Evelyn Herlitzius, die erst mit dreißig debütierte – wer sich so viel Zeit nimmt, wird heute schon mal schräg angeschaut (Seite 71).
Aber gerade Zeit ist die vielleicht wichtigste Ressource für eine gesunde Entwicklung. Weil die ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff, Albrecht Thiemann
Nicht nur durch ihre Liebeskünste wusste Madame Pompadour Louis XV. zu fesseln, sie sorgte sich auch um seine geistige Erbauung. Deshalb gab sie bei Jean-Philippe Rameau eine Opéra-ballet in Auftrag, die 1748 in ihrem Privattheaterchen zur Aufführung gelangte, mit ihr selbst in der Rolle der Venus. Neun Jahre später arbeitete Rameau, mittlerweile ein alter Mann,...
Nicola Antonio Porpora komponierte die Serenade «Gli orti esperidi» 1721 als Geburtstagsgruß an Kaiserin Elisabeth Christine von Wolfenbüttel, deren Gatte Karl VI. u. a. über das Königreich Neapel herrschte. Die Geschichte dazu lieferte der blutjunge Librettist Pietro Metastasio: In Begleitung ihres Geliebten Adonis steigt Venus hinab in den Garten der Hesperiden,...
Mit Andrea Moses in Stuttgart und Christof Loy an der Deutschen Oper Berlin haben fast gleichzeitig zwei Regisseure zu Verdis «Falstaff» gegriffen, die bisher nicht gerade als Komödianten hervorgetreten sind. Verdis bitterböses Weltabschiedswerk mit seiner verführerischen Mischung aus schauspielhaftem Tempo und musikalischer Beweglichkeit ist szenisch schwer zu...
