Editorial
Sie sind jung. Sie sind preiswert. Sie sind mutig. Sagen immer dankbar ja. Auch zu Rollen, für die es eigentlich viel zu früh ist. Junge Sänger wissen: Sagen sie nein, warten hundert andere – und sie selbst fliegen vielleicht vom Karussell. Auf Nimmerwiedersehen. Jugendwahn, Zynismus, Wegwerfmentalität gehören im Umgang mit Sängern leider immer häufiger zum Alltag. Weil der Markt es erlaubt. Weil, zumal an kleinen Häusern, die Ensembles schrumpfen und immer weniger Solisten immer mehr singen müssen.
Wer am Anfang steht, hat es besonders schwer, sich gegen die Fährnisse des Betriebs zu wehren. Manche Stimmkrise ist nicht das Ergebnis individuellen Hochmuts, sondern des Systems. Aber es gibt, auch das gehört zum Bild, immer mehr Künstler und Gesangspädagogen, die gegensteuern. Der Tenor Josef Protschka etwa, ehmaliger Rektor der Kölner Musikhochschule und Initiator von ArtOpera, eines Gesangswettbewerbs ohne Altersgrenze (Seite 66). Oder die Sopranistin Evelyn Herlitzius, die erst mit dreißig debütierte – wer sich so viel Zeit nimmt, wird heute schon mal schräg angeschaut (Seite 71).
Aber gerade Zeit ist die vielleicht wichtigste Ressource für eine gesunde Entwicklung. Weil die ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff, Albrecht Thiemann
Es beginnt ohne Orchester mit einem faszinierenden Klangsymbol. Eine knabenhaft helle, gleißende Sopranlinie fährt wie ein Lichtbogen durch den dunklen Raum. Auffällig an dem ansonsten schlichten Melisma das Tritonus-Intervall, als traditioneller diabolus in musica hier Vorbote von Verhängnis. Tatsächlich erscheint das periodisch im Stück wiederkehrende...
Er taucht in jeder Geschichte der Oper auf, besonders häufig freilich, wenn es um die des 19. Jahrhunderts geht, noch spezifischer: wenn von Rossini, Bellini, Donizetti und der Entwicklung des frühromantischen italienischen Melodramma, aber eben auch der Buffa die Rede ist. Dann wirft er einen langen Schatten, bleibt aber als dunkle Silhouette im Hintergrund, wird...
Das Bild vom Kreator der «Reformoper» war lange musikgeschichtlich so verfestigt, dass der «andere» Gluck ganz in Vergessenheit geriet. Dass mit dem (1750 in Prag uraufgeführten) «Ezio» nun ein früheres Gluck-Stück wiederentdeckt wurde, liegt wohl ebenso an der gewachsenen Geltung der Barockoper wie an der postmodern erweiterten Bewertung des Komponisten. Und die...
