Bratislava: Der unverwüstliche Wüstling

Cekovská: Dorian Gray (Bratislava / Altes Opernhaus)

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Es beginnt ohne Orchester mit einem faszinierenden Klangsymbol. Eine knabenhaft helle, gleißende Sopranlinie fährt wie ein Lichtbogen durch den dunklen Raum. Auffällig an dem ansonsten schlichten Melisma das Tritonus-Intervall, als traditioneller diabolus in musica hier Vorbote von Verhängnis. Tatsächlich erscheint das periodisch im Stück wiederkehrende Vokalzeichen, zunächst nur sanft verhallend, von Mal zu Mal verzerrter, schließlich klirrend-fröstelig und markerschütternd gruselig wie die nervenrüttelnde Horror-Soundscape eines David-Lynch-Films.

Die dramaturgische Funktion dieses «Leitmotivs» ist sonnenklar: Es geht um die opernhaft-akustische Kennzeichnung dessen, was mit dem fatalen Porträt Dorian Grays geschieht. Während dieser leibhaftig als unveränderlich ephebenhaft strahlender Beau eine Bahn der Ausschweifungen, ja des Verbrechens durchläuft, setzen sich die Spuren dieses Lebens in dem Bildnis ab, das, damit gewissermaßen zum sündentragenden Lammgottes werdend, zunehmend Fürchterliches offenbart. Schließlich wird es für Dorian so zum Menetekel, dass er mit einem Messer auf die Leinwand einsticht – und dabei sich selbst tötet. In Verfilmungen des Oscar-Wilde-Stoffes erlebt ...

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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Hans-Klaus Jungheinrich

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