Barmherziger Rüpel
Er taucht in jeder Geschichte der Oper auf, besonders häufig freilich, wenn es um die des 19. Jahrhunderts geht, noch spezifischer: wenn von Rossini, Bellini, Donizetti und der Entwicklung des frühromantischen italienischen Melodramma, aber eben auch der Buffa die Rede ist. Dann wirft er einen langen Schatten, bleibt aber als dunkle Silhouette im Hintergrund, wird meist mit der pauschalen Bezeichnung «legendärer Impresario» abgespeist, der den genannten Komponisten das Arbeitsleben schwer machte. Ja, wir meinen Domenico Barbaja.
Es musste also erst ein amerikanischer, in Hongkong lebender Banker und Headhunter kommen, Belcanto-verrückt und furchtlos, außerdem bereit, der Recherche über diesen längst wieder im tiefen Brunnen der Vergangenheit verschwundenen, einst übermächtigen Paten der Oper fünf Lebensjahre zu widmen, um ein wenig Licht in dessen Lebensabrissdunkel zu bringen und die erste Barbaja-Biografie (in englischer Sprache) vorzulegen.
Die ist Philip Eisenbeiss als sympathisch sachliches Zeit- und Gattungsbild durchaus gelungen (und zum Klingen gebracht wird sie zusätzlich durch eine Naxos-CD mit Exzerpten aus Barbajas Opernaufträgen). Es scheint genau richtig, einen eher ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Manuel Brug
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Ganz gleich, ob es sich um die Contessa oder Susanna im «Figaro», Donna Elvira oder Zerlina im «Don Giovanni», Pamina oder Königin der Nacht in der «Zauberflöte» handelt – bei Mozart steht als Besetzungsangabe immer nur «Sopran». Die Differenzierung nach verschiedenen Stimmfächern ist eine Erfindung späterer Zeit, die dafür sorgte, dass Sängerinnen, die der «Hölle...
