Editorial
Oper, so besagt eine schöne und deshalb viel benutzte Formel von Alexander Kluge, ist ein «Kraftwerk der Gefühle». Das Schönste an dieser Formel ist, dass sie das Moment des Aktiven hervorhebt. Oper frisst nicht nur Gefühle, sie wälzt sie auch um und vor allem: Sie produziert sie. Kurz, es geht um einen Energiekreislauf, für dessen Funktionieren allerdings jeder Theatermacher wie Theaterbesucher selbst verantwortlich ist. In Zeiten, in denen statt des Kraftwerks häufig (nur) ein Kraftakt funktioniert, ist dieser Zusatz nicht ganz überflüssig.
Früher war es ein netter Gag, als Birgit Nilsson auf die Frage, was sie denn zur Bewältigung ihrer Elektras und Brünnhilden benötige, antwortete: ein paar bequeme Schuhe. Damals erschien man noch mit Krawatte und Kleid auf der Probebühne, und Nilsson meinte natürlich, dass keine Riesenpartie ihrer Riesenstimme etwas anhaben könne. Lorin Maazel hat die Antwort später aufgegriffen, als er gefragt wurde, was für ihn wichtig sei an dem Tag, an dem er in London alle Beethoven-Symphonien dirigierte. Und Franz Mazura hätte sie ebenfalls aufgreifen können, als er in einem Mannheimer «Parsifal» Gurnemanz und Klingsor an einem Abend sang.
Schwerstarbe ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Seit dem Wiederaufbau des abgebrannten Hauses (1999) sucht das Gran Teatre del Liceu in Barcelona wieder in der Ersten Liga der internationalen Opernhäuser mitzuspielen. Einige jetzt auf DVD veröffentlichte Aufführungen sind da durchaus Erfolg versprechend, auch wenn es sich zumeist um eingekaufte Produktionen handelt.
Rossinis Krönungsoper «Il viaggio a Reims»,...
An der Wiederentdeckung des Opernkomponisten Antonio Vivaldi hat «Orlando Furioso» gewichtigen Anteil: Die weltweit ausgestrahlte szenische Produktion dieser Oper anlässlich des Vivaldi-Jahres 1978 mit Marilyn Horne in der Titelrolle machte ein breites Publikum erstmalig darauf aufmerksam, dass Händel nicht der einzige Barockkomponist gewesen ist, der Opern...
Herr Jöris, Ihre Inszenierung der «Winterreise» arbeitet mit zwei Stimmen (Bariton/Mezzo) und zwei Darstellern. Wie kam es zu dieser Dramaturgie und welche Ziele verfolgten Sie damit?
Es war mir freigestellt, welche Stimmfächer und wie viele Sänger bzw. Statisten ich einsetzen wollte. Je mehr ich mich mit dem Stück beschäftigte, desto mehr entwickelte sich die...
