O Sterne, o Götter!
Will man es eine göttliche Fügung nennen? Einen lockeren Wink Fortunas? Oder schlicht klandestine (katholische) Koinzidenz? Wie auch immer: Erstaunlich ist es schon, dass sich just zu dem Moment, da in der Ewigen Stadt weiße Rauchschwaden zum Himmel emporsteigen und damit die Wahl des neuen, aus den USA stammenden Papstes Leo XIV. annoncieren, knapp 1730 Kilometer nordöstlich, in Warschaus Opera Kameralna, der Vorhang hebt für die Festival-Premiere von Mozarts Huldigungs-Seria «La clemenza di Tito». Wobei die Sache mit dem Vorhang ein wenig geflunkert ist.
Das schmucke Theaterchen, das gerade mal für rund 160 Menschen Platz bietet, besitzt einen solchen Vorhang gar nicht. Und vermutlich hat sich Anna Sroka-Hryń, die mit dieser Regiearbeit ihr Debüt in der Oper gibt, gedacht, dass man den Umstand durchaus nutzen könnte: Also sehen wir auf der Bühne, noch bevor, wie schon in Mozarts «Così», eine gefahrvolle Reise von C-Dur nach C-Dur beginnt, sechs in schlammfarbene Kostüme gewandete Tänzerinnen und Tänzer (in Analogie zu den sechs Protagonisten von «La clemenza») – die Furien wohl sind’s, die den gesamten Abend über immer wieder bedrohlich um den Titelhelden herumkreisen. Der sitzt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Jürgen Otten
Am Tag, da in Rom der linksgerichtete Papst Franziskus zu Grabe gebracht wurde, fand am Theater Bielefeld die Premiere von Bohuslav Martinůs «Greek Passion» statt – ein Stück, das nach einem real praktizierten, radikal sozial verstandenen Christentum fragt, wie es auch der Verstorbene in Erinnerung bringen wollte. Der geheime Draht zwischen Rom und Bielefeld muss...
Es ist ein heiteres Stück mit einem traurigen Ende, und ich selbst habe meinen Platz an diesem traurigen Ende.» So hat Leoš Janáček «Die Abenteuer der Füchsin Schlaukopf» – dies der originale Titel seiner 1924 in Brünn uraufgeführten Oper – charakterisiert, in der sich Tiere wie Menschen in einem ewigen Kreislauf von Leben und Tod, Werden und Vergehen begegnen. Die...
arte
01.06. – 17.40 Uhr
Ein Ort – Ein Werk Jean Sibelius: Symphonie Nr. 5 aus Helsinki
Die fünfte Symphonie von Jean Sibelius kehrt zurück an den Ort ihrer Uraufführung. Am Pult des Philharmonischen Orchesters Helsinki steht der Chefdirigent und Sibelius-Experte Jukka-Pekka Saraste.
02.06. – 00.55 Uhr
Fado mit Gisela João
Fado-Star Gisela João lässt in diesem...
