Lieder ohne Melodien
Äneas Humm gebietet zweifelsohne über eine ausgezeichnete, charakteristische Baritonstimme, frei und offen, unmittelbar ansprechend, nobel im Ausdruck. Eine Stimme, die darüber hinaus durch vorbildliche Textverständlichkeit besticht. Auf dem Album mit dem Titel «Libertas» finden sich außerdem zwei seltene Komponisten-Namen: Amy Beach und Joseph Marx. Das klingt interessant, ist es aber letztlich nicht. Der Sänger und sein vorwiegend auf Chormusik spezialisiertes Label riskieren damit viel – große Gefahr, kein Gewinn.
Die Frau aus Boston und den Mann aus Graz als Traditionalisten zu bezeichnen, wäre geschmeichelt; sie waren Epigonen von stark begrenzter Erfindungskraft. Ihre ambitioniertesten Werke, Beachs «Gaelic Symphony» (1896) und Marx’ «Herbst-Symphonie» (1921), sind definitiv keine Bereicherung des Repertoires. Sie liegen beide auf Tonträgern vor, doch wird sich das freiwillig kaum jemand zweimal anhören. Besonders deutlich tritt das Unvermögen zu einer klaren Aussage im Liedschaffen hervor. Werden diese Versuche auch noch mit Beethoven und Schubert kombiniert, läuft es auf eine Kompromittierung hinaus. Der Abstand zu den großen deutschsprachigen Lyrikern um 1920 – Richard ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Medien, Seite 42
von Volker Tarnow
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Was hätte ein Komponist Umberto Eco unternommen, wenn er sein Opus «Der Name der Rose» nicht in den 1980er-Jahren als Roman, sondern heute als Musiktheater geschrieben hätte? Mit dieser Frage im Kopf begann der Komponist Francesco Filidei seine Arbeit an der Opernversion eines der größten internationalen Bucherfolge des ausgehenden 20. Jahrhunderts – übersetzt in...
Mit dem «Ring» ist es eine vertrackte Sache. Sieht man die vier Teile rasch hintereinander, setzt man sich nicht nur zeitlich einem Marathon aus, auch auf der Bühne wird zuweilen stimmlich und logistisch mit den Anforderungen gekämpft. Also gibt es an vielen Häusern oft große Pausen zwischen den einzelnen Stücken, um dann das Endergebnis als Zyklus zu präsentieren....
