Dschungel-Blues
Der Stubenfliegenbengel singt Tenor und ist kreuz-unglücklich. Gerade erst aufgewacht, muss er schon ans Ende denken – in der festen Überzeugung, eine Eintagsfliege zu sein. Und weil Kostas noch längst nicht die Biege machen, sondern lieber mit seinen hippen Krabbelkumpels weiter durch den Großstadtdschungel stromern will, hat er den Blues. Natürlich den «Eintagsfliegen-Blues».
Irgendein Asphaltinsekt drückt ihm ein Mikro in die Hand – und schon klagt Matthias Siddhartha Otto, deutsch-indisches Mitglied des Opernstudios an der Komischen Oper, Kostas’ Leid – show-reif und in astreiner Sinatra-Crooner-Manier.
Nicht nur in dieser, von melancholischen Blechbläser-Licks, swingenden E-Bass-Grooves und butterweichen Streicher-Glissandi umspielten Bekenntnis-«Arie» outet sich der Berliner Komponist Christian Jost («Angst», «Hamlet») als findiger Kenner des Jazz-, Pop- und Musical-Repertoires. Für «Mikropolis», seine erste Kinderoper, hat sich Jost überhaupt eher an eingängigen Klängen des Alltagsgebrauchs als an Maßstäben der Avantgarde orientiert. Da lugen zum Beispiel ein paar Töne aus Ennio Morricones berühmtester Filmmelodie hervor, wenn Kostas den nahen Tod bejammert. Und die Harfe ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Albrecht Thiemann
Aufreizend rot locken Seidenkleidchen und Lippen, die schwarzen Haare sind hochgesteckt. Doch wer hier im Carmen-Outfit einherstöckelt, ist die Nebenbuhlerin: Micaëla unternimmt einen der letzten Versuche, ihren Sergeanten herumzubekommen. Als Klischee-Zitat aus dem guten alten Spanien. Doch nicht das Imitat lässt bei Don José die Säfte steigen, sondern eine...
Neu ist die Idee nicht, im Rahmen eines Albums den musikalischen Wechselbeziehungen zwischen Orient und Okzident nachzugehen. Das Barockorchester Concerto Köln und das auf musikalische Grenzgänge spezialisierte Ensemble Sarband um Vladimir Ivanoff etwa brachten 2003 eine viel beachtete CD mit dem Titel «Dream of the Orient» heraus, die diesem Konzept verpflichtet...
Gleich sein erster Fall, «Venezianisches Finale», führte Commissario Brunetti in die Oper, womit seine Schöpferin Donna Leon sich a priori als Liebhaberin dieses Genres outete. Bei diesem im legendären Fenice angesiedelten Plot ging es freilich um eine Aufführung von Verdis «La traviata», während die Spezialität der Leon eigentlich Händel ist. So kommt sie denn...
