Drei Hochs auf Jean-Philippe Rameau
Bis auf «Platée», das beliebte Ballet bouffon, tauchen Rameaus Werke nach wie vor selten in den Spielplänen auf. Diskografisch steht seine Sache aber gar nicht schlecht – eine Nachwirkung des 250. Todestags 2014. Drei Neuerscheinungen der letzten Monate verdienen Beachtung.
In «Castor et Pollux» (gespielt wird die prologlose Version von 1754) lassen Raphaël Pichon (*1984) und sein Ensemble Pygmalion mit auffällig feinem Gespür für die Zusammenhänge zwischen Instrumentierung und Affekt aufhorchen: Um den Nachwuchs muss Frankreichs Alte Musik Szene sich wahrlich keine Sorgen machen. Erstklassig auch der Chor, elastisch und belebt noch in den Seufzern des Begräbnisgesangs «Que tout gémisse». Sabine Devieilhe unterstützt das Solistenensemble hochkarätig in mehreren Minipartien, Clémentine Margaines starker, kühler Mezzo ist in der Partie der eifersüchtigen Phébé eine Entdeckung. Deren von Castor und Pollux umworbene Schwester Télaïre singt Emmanuelle de Negri quellwasserklar und stilistisch souverän, ihre Ausdruckspalette könnte freilich breiter sein – so bleibt, wenn Phébé mit «Tristes apprêts» um Castor trauert, die innere Verletzung allzu blass. Verglichen mit den Damen fallen die ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Wiebke Roloff
Es mag sein, dass diese Frau etwas ganz anderes ist. Keine Untote, die durch die Zeitalter geistert, dabei «Hunderte Kinder» hinterlässt, wie sie selbst behauptet – und fast ebenso viele gebrochene Herzen. Irgendwann steigt Emilia hier die kleine Showtreppe hinauf, breitet den Reifrock aus wie das Gefieder eines prächtigen Vogels, umkränzt von einem Koronagitter....
Nicht alles, was auf den ersten Blick glänzt, ist von bleibendem Wert. Und nicht alles, was zunächst trübe wirkt, bleibt dauerhaft im Schatten. Als die Deutsche Oper Berlin 2012 «Jenufa» herausbrachte, überwogen gemischte Gefühle (siehe OW 4/2012). Dirk Beckers aseptisch leerer Weißraum, in dem Christof Loy die Tragödie ganz aus dem inneren Drama der Küsterin...
Vom Überdruss singt Emilia Marty alias Elina Makropulos im letzten Akt. Das Leben lässt sie kalt, alle Höhen, alle Tiefen hat sie schon erlebt, alles schon gesehen. Das Gerangel um das Prus-Erbe? Nichts Neues, der Konflikt schwelt seit Generationen. Deshalb ist das Zimmer auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin auch zweigeteilt: Die eine Seite weist ins 20., die...
