Faustisch ruhelos
Fortschritt oder Reaktion, einfach oder kompliziert? (Gewissens-)Fragen, die die Kulturgeschichte durchziehen. Arnold Schönberg, «konservativer Revolutionär», pries Brahms als «the progressive», hielt gleichwohl der Frage, ob er Wagnerianer oder Brahmsianer sei, trotzig weanerisch entgegen: «Ich bin Selberaner.» Und immer wieder erhebt sich das Bild des Januskopfs, gleichermaßen in Vergangenheit wie Zukunft blickend. Rigoros attackierten die italienischen Futuristen alle Tradition. Dass einige Parteigänger Mussolinis wurden, hat scharfe linke Kritik geweckt.
Die aber war nichts gegenüber der von rechts, kulminierend in Hans Pfitzners «Futuristengefahr» (1917), grimmig gegen Ferruccio Busonis «Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst» (1906/16) giftend. Nun war gerade Busoni ein Januskopf in mehrfachem Sinne: Italiener und Deutscher, europäischer Weltbürger, gefeierter Klaviervirtuose und suchender Komponist, Dirigent, Lehrer, Schriftsteller: ein Anreger und Vermittler wie vor ihm nur Franz Liszt, mit dem er nicht nur die phänomenale Pianistik, sondern auch die Nähe zur «Zwei Seelen, ach»-Faust-Figur teilte.
Faustisch ruhelos, wollte er sich nicht mit dem Bestehenden begnügen, ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Gerhard R. Koch
Seine genial simplen Klavierstücke, zumal die «Gymnopédies» und «Gnossiennes», kennt alle Welt. Unzählige Aufnahmen dokumentieren die zeitlose Popularität dieser aus der Zeit gefallenen Fingerübungen. Weniger ist mehr und langsam schöner als schnell, hatte Erik Satie da, noch vor der Wende zum 20. Jahrhundert, mit jeder Note gesagt. Der donnernd-virtuosen...
Zangezi» ist so etwas wie das Opus summum des russischen Futuristen Velimir Chlebnikov (1885-1922). Ein als Drama konzipierter, im Grunde aber epischer Text, in dem er die fundamentalen Themen seines Schreibens zur Synthese zu führen sucht: Der Prophet «Zangezi» ist ein Alter Ego des Autors, die ihm in den Mund gelegten Spekulationen – etwa über die nach...
Den Engländern kann man nicht trauen, was Humor betrifft. Ihr Sinn für denselben ist zwar weltberühmt, aber auch ein sehr spezieller. Jedenfalls nicht kompatibel mit dem der Franzosen – der Ansicht jedenfalls scheint Regisseurin Mariame Clément zu sein, die jetzt in Covent Garden die erste Aufführung von Emmanuel Chabriers Opéra bouffe «L’Étoile» auf der Insel...
