Becircen mit Bildern und Worten

Die Sopranistin Dorothee Mields spricht Barock wie eine Muttersprache

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Dorothee Mields hat einen Vogel! Oder besser: Eine ganze Voliere voll geflügelter Schnabelwesen scheint ihr zu Gebote zu stehen. Auf ihrem Album «Birds» produziert sie einen Teil des Schwarms allein vokal, den anderen evoziert Stefan Temmingh mit den verschiedensten Blockflöten. Da zwitschert, gurrt, lockt, seufzt, flötet und gluckt es so munter, dass selbst der barocke Dichter und feinsinnige Naturbeobachter Barthold Hinrich Brockes seine Lust an dem virtuosen Doppelspiel gehabt hätte.

Dabei macht das wortlose Becircen, in dem sich Mields – die man wegen ihres zarten, aber ausdrucksvollen Timbres auch die deutsche Emma Kirkby nennt – hier übt, nur einen Teil ihres Könnens aus. Nicht weniger bedeutsam als die lässige Beherrschung der Verzierungskunst ist ihre Vertrautheit mit der barocken Sprache.

Besonders gut kommt diese seltene Sensibilität im zweiten neuen Album zum Ausdruck, das sie jüngst vorgelegt hat: An den darauf eingespielten Bach-Kantaten für Solosopran haben in der Regel selbst Interpreten, die deren Texte nicht grundsätzlich für minderwertig halten, zu knabbern. Gilt es schon in der von Christian Friedrich Hunold verfassten wortreichen Kantate «Ich bin in mir ...

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Opernwelt April 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Carsten Niemann

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