Becircen mit Bildern und Worten
Dorothee Mields hat einen Vogel! Oder besser: Eine ganze Voliere voll geflügelter Schnabelwesen scheint ihr zu Gebote zu stehen. Auf ihrem Album «Birds» produziert sie einen Teil des Schwarms allein vokal, den anderen evoziert Stefan Temmingh mit den verschiedensten Blockflöten. Da zwitschert, gurrt, lockt, seufzt, flötet und gluckt es so munter, dass selbst der barocke Dichter und feinsinnige Naturbeobachter Barthold Hinrich Brockes seine Lust an dem virtuosen Doppelspiel gehabt hätte.
Dabei macht das wortlose Becircen, in dem sich Mields – die man wegen ihres zarten, aber ausdrucksvollen Timbres auch die deutsche Emma Kirkby nennt – hier übt, nur einen Teil ihres Könnens aus. Nicht weniger bedeutsam als die lässige Beherrschung der Verzierungskunst ist ihre Vertrautheit mit der barocken Sprache.
Besonders gut kommt diese seltene Sensibilität im zweiten neuen Album zum Ausdruck, das sie jüngst vorgelegt hat: An den darauf eingespielten Bach-Kantaten für Solosopran haben in der Regel selbst Interpreten, die deren Texte nicht grundsätzlich für minderwertig halten, zu knabbern. Gilt es schon in der von Christian Friedrich Hunold verfassten wortreichen Kantate «Ich bin in mir ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Carsten Niemann
Wenn der fabelhafte John Osborn als Rossinis Otello die Bühne des Theaters an der Wien betritt, stellen wir fest: Kein Blackface. Schwarzer Vollbart, Turban – aber nicht das (heute oft als rassistisch empfundene) schwarz geschminkte Gesicht, mit dem etwa der russisch-jüdisch-amerikanische Jazzsänger Al Jolson am Broadway reüssierte und das für Darsteller wie...
Herr Nikitin, vor knapp vier Jahren, nach Ihrer überstürzten Abreise aus Bayreuth, hatten Sie geschworen, nie wieder ein Interview zu geben ...
Ich war damals sehr wütend. Und diese Geschichte treibt mich immer noch um. Manchmal geht sie mir durch den Kopf, und der ganze Ärger steigt wieder auf. Die Art und Weise, wie ich da wegen eines längst «übermalten» Tattoos...
Dieser Name: Johannes Nicolaus Graf de la Fontaine und d’Harnoncourt-Unverzagt. Er will so gar nicht passen zu dem Mann, der von der Titelseite dieses Heftes ins Weite schaut. Dass er aus einem alten österreichischen Adelsgeschlecht stammte, war ihm so gleichgültig wie alles, was nach Konvention und Etikette roch. Ausgebeulte Hose, Gummistiefel, ein viel zu großer...
