Starker Tobak von Papa
«Poison!» schrieb der belgische, aber in Paris lebende und lehrende Organist und Komponist César Franck in dicken Lettern auf die Partitur von «Tristan und Isolde», die in der kurzen Blütezeit des französischen Wagnérisme geradezu ein Kultobjekt unter seinen Kollegen war. Aber er konnte es nicht verhindern, dass dieses «Gift» auch bei seinen Schülern Vincent d’Indy, Ernest Chausson und Henri Duparc, die ihn gern auch «Papa Franck» nannten, zu wirken begann.
Und als er mit «Hulda» einen eigenen Versuch auf dem Gebiet der großen Oper machte, zeigte sich, dass er selbst bereits davon infiziert war. Zwischen 1879 und 1885 komponiert, wurde «Hulda» erst 1894, vier Jahre nach seinem Tod, in gekürzter Fassung in Monte Carlo uraufgeführt und verschwand schon zwei Spielzeiten später gänzlich von den Spielplänen. Dieser Nicht-Erfolg mag auch damit zusammenhängen, dass die Gattung Oper an sich und im speziellen Fall ein Sujet voller Gemetzel und Sex nicht zu Francks Image als Musiker passte. Erst 125 Jahre später hat man im deutschen Freiburg den Versuch einer Rehabilitation unternommen. Der dortige GMD Fabrice Bollon ließ dafür vom Pariser Verlag Choudens eine auf der Grundlage des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Ekkehard Pluta
Die trauen sich was in Bern! Erst einmal benennen sie das Theater um, in Bühnen Bern, was Sinn ergibt, da der alte, lange gültige Name (Konzert Theater Bern) so sperrig wie bürokratisch war. Dann engagiert der seit Beginn dieser Spielzeit amtierende Intendant Florian Scholz, der zuvor das Stadttheater in Klagenfurt durchaus gewinnbringend leitete, eine Opernnovizin...
Es ist eine Interimslösung der besonderen Art: Die Kongresshalle des ehemaligen Nürnberger Reichsparteitagsgeländes wird für einige Jahre zum Spielort und zur Arbeitsstätte für die Beschäftigten des Staatstheaters Nürnberg. Denn das marode, im Jahr 1905 eröffnete Opernhaus am Richard-Wagner-Platz muss generalsaniert werden. Die Kombination aus Interim und...
«VB 1831 N», so lautet das Kennzeichen eines der vielen Autos, die uns Regisseur Christophe Coppens bei seiner Brüsseler Inszenierung von Vincenzo Bellinis «Norma» auf der Bühne präsentiert: die Initialen des Komponisten, das Entstehungsjahr der Oper und das ergänzende Norma-«N». Einer von mehreren lauen Gags. Dass es sich um ein Meisterwerk handelt: Das wird an...
