Doppelt gesehen
Der vielleicht bewegendste Moment ereignet sich fast nebenbei gleich am Anfang, noch bevor das komplizierte, etwas ermüdend hin- und herwogende Geschehen um Macht, Liebe, Krieg und Freundschaft im präkolumbianischen Peru und Mexiko abrollt, noch vor den Staats- und Privataktionen um den Kriegshelden Montezuma und die Inkatochter Orazia (die er begehrt) und die (falsche) Indian Queen Zempoalla (die ihn begehrt).
Für den Prolog zu John Drydens heroischem Trauerspiel hat Purcell diese kleine Szene unter kleinen Menschen komponiert: Ein Junge weckt seine Freundin aus sanftem Schlummer unter Platanen, weil Kriegstrompeten schallen und ihr Land überfallen werden wird: «By ancient prophecies we have been told / Our land shall be subdu’d by one more old ...»
Samuel Boden singt das anrührend einfach und kunstvoll zugleich. Ohnehin wird durchweg gut gesungen, aber ohne alles Glänzen-Wollen, die Solistinnen und Solisten treten nach ihren Nummern wieder in den feinen Chor von Emmanuelle Haïms Astrée-Ensemble zurück. Sie spielen nicht große Oper, denn Purcells Opus ultimum, unvollendet dazu, ist ja auch keine, sondern eine seiner fünf Semi-Operas, die den englischen Sonderweg des ...
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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Holger Noltze
Wenn jetzt ein Erdbeben käme, man wäre an einem sicheren Ort im dichtbesiedeltsten Ballungsraum Griechenlands. Das Kulturzentrum der Stavros-Niarchos-Stiftung ist mit Isolatoren vom periodisch zitternden Untergrund getrennt. Auch an sanftere Formen der Nachhaltigkeit hat der italienische Stararchitekt Renzo Piano gedacht: Im mehr als zwanzig Hektar großen Park...
Zunächst seh’n wir den Aufstieg einer schönen Frau,
Die liebt – und selbst umgarnt wird, von Diversen.
Kein Stück Musik für eine Landesgartenschau,
Regietheaterliebling der Perversen.
Auf einen Ton, da folgen stets elf weitere,
Fast wie im Fall der Männer: Mann für Mann.
Ein Maler stirbt (es gibt halt auch Gescheitere),
Man bumst mit voller Wucht auf’s Gamelan.
n...
Schwer sind die Bronzetüren des Goetheanums, der Weg zur Initiation soll kein leichter sein. Drinnen warten bereits Eingeweihte mit deutschen wie englischen «Suche Karte»-Schildern auf Erlösung. Aus aller Welt sind Anthroposophen ins schweizerische Dornach gekommen, um dabei zu sein, wenn in ihrem Herzzentrum erstmals der «Parsifal» gezeigt wird – am Palmsonntag,...
