Donizettis Wahnsinnsfrauen

Valery Gergiev unterschlägt das Drama in «Lucia di Lammermoor», Mark Elder trifft den changierenden Ton von «Linda di Chamounix»

Opernwelt - Logo

Den eindrucksvollsten special effect seines ganzen Opernschaffens konnte Gaetano Donizetti nie hören: Weil der für die Uraufführung seiner «Lucia» verpflichtete Glasharmonika-Spieler sich kurz vor der Premiere mit der Theaterleitung überworfen hatte, musste der Komponist die Begleitung der Wahnsinnsszene kurzfristig für Flöte umschreiben.

Der weltweite Erfolg des Schottendramas sorgte dann vollends dafür, dass die ursprüngliche Absicht in Vergessenheit geriet und sich die praktikablere Flöte durchsetzte – erst in den letzten Jahren haben einige Aufführungen (zum Beispiel an der Hamburger Oper) auf die von Donizetti auch in anderen Werken («Elisabetta al Castello di Kenilworth») zur Schilderung mentaler Grenz­überschreitungen genutzten Klangfarben der Glasharmonika zurückgegriffen. Inzwischen scheint sich diese Variante etabliert zu haben.

Nach einem im letzten Jahr bei Naxos veröffentlichten Mitschnitt aus Bergamo ist
Valery Gergievs Neuaufnahme nun schon die zweite «Lucia» in der Glasharmonika-Version, und der sphärisch-körperlose, wie aus einer anderen Welt herübertönende Auftritt des Instruments sorgt prompt für den stärksten Moment der Einspielung. Viel mehr Positives gibt es ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 46
von Jörg Königsdorf

Weitere Beiträge
Im Liebesschloss

Würde man diese Oper spielen, hätte sie nicht ein gewisser Franz Liszt komponiert? Unwahrscheinlich. Obwohl «Don Sanche» durchaus Meriten hat. Das Werk wurde bislang dreimal inszeniert, zuletzt 1986 in Bayreuth zum 100. Todestag des Komponisten. Nun war «Don Sanche» anlässlich seines 200. Geburtstags, nach einer ersten Aufführung im ungarischen Miskolc, in der...

Bloß keine Romantik

Was bewegt einen Komponisten, zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Sagenstoff noch einmal aufzunehmen, der in der Romantik viele und prominente Ausformungen erfahren hat – in der Literatur wie in der Musik? Antonín Dvorák war nicht mehr jung, als er «Rusalka» in einem Zug schrieb, ein hoch berühmter Mann, aber auf dem Gebiet der Oper bis dahin nicht wirklich...

Verführer unter sich

Mein lieber Schwan! Eigentlich taucht das Federvieh in Wagners «Lohengrin» erst gegen Mitte des ersten Akts auf. In Roman Hovenbitzers Inszenierung für das finnische Opernfestival in Savonlinna hat es seinen ersten Auftritt schon vor der Ouvertüre. Ein kleiner Junge hantiert an einem Wasserbecken mit einem Spielzeugschwan, und als nach längerem stummen Spiel das...