Donizettis Wahnsinnsfrauen
Den eindrucksvollsten special effect seines ganzen Opernschaffens konnte Gaetano Donizetti nie hören: Weil der für die Uraufführung seiner «Lucia» verpflichtete Glasharmonika-Spieler sich kurz vor der Premiere mit der Theaterleitung überworfen hatte, musste der Komponist die Begleitung der Wahnsinnsszene kurzfristig für Flöte umschreiben.
Der weltweite Erfolg des Schottendramas sorgte dann vollends dafür, dass die ursprüngliche Absicht in Vergessenheit geriet und sich die praktikablere Flöte durchsetzte – erst in den letzten Jahren haben einige Aufführungen (zum Beispiel an der Hamburger Oper) auf die von Donizetti auch in anderen Werken («Elisabetta al Castello di Kenilworth») zur Schilderung mentaler Grenzüberschreitungen genutzten Klangfarben der Glasharmonika zurückgegriffen. Inzwischen scheint sich diese Variante etabliert zu haben.
Nach einem im letzten Jahr bei Naxos veröffentlichten Mitschnitt aus Bergamo ist
Valery Gergievs Neuaufnahme nun schon die zweite «Lucia» in der Glasharmonika-Version, und der sphärisch-körperlose, wie aus einer anderen Welt herübertönende Auftritt des Instruments sorgt prompt für den stärksten Moment der Einspielung. Viel mehr Positives gibt es ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 46
von Jörg Königsdorf
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