«Wagner ist unser Mount Everest»

Johan Reuter zählt zu den wichtigen Wagner- und Strauss-Sängern seiner Generation. Im neuen Münchner «Ring» wird der dänische Bassbariton den «Rheingold»-Wotan singen. Den Wanderer oder Sachs will er aber noch nicht anpacken.

Herr Reuter, bei Ihnen könnte sogar ein kleines Kind erraten, dass Sie Sänger sind. Sie haben die klassische Opernsänger-Sprechstimme
Ich weiß (lacht). Ich habe in Wirklichkeit keine Sprechstimme, sondern spreche mit meiner Opernstimme. Es hat sich irgendwie so entwickelt. Die Sache ist nur die: Ich versuche auch umgekehrt, mit meiner Sprechstimme zu singen. Ich möchte den natürlichen Ausdruck, den man beim Sprechen hat, ins Singen hinüberbringen. Ich mag es am liebsten, wenn Gesang möglichst natürlich klingt.

Seit wann singen Sie?
Schon lange.

Ich war immer Sänger, schon im Knabenchor. Und schon damals auch als Solist. Ich frage mich eher, ob ich mit dieser opernhaften Sprechweise nicht zu viel Kraft für meine Singstimme verbrauche. Es gibt Sänger, die flüs­tern nur. So geizig bin ich nicht. Ich möchte mich verständlich machen und die Leute erreichen.

Sie gehören trotz einer internationalen Karriere noch immer zum Ensemble der Königlichen Oper in Kopenhagen. Warum?
Ich sehe darin nur Vorteile. Ich habe zum Beispiel den «Rheingold»-Wotan und Mandryka zuerst in Kopenhagen gesungen. Auch deswegen, weil es dort mehr Proben gibt als an Häusern, an denen man nur gastiert. Beim «Rheingold» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Interview I, Seite 40
von Kai Luehrs-Kaiser

Weitere Beiträge
Editorial Doppelheft 2011

Was für ein verrückter Festspielssommer. Übergänge prägen ihn – und Diffusitäten. Europas drei wichtigste Opernfestivals liegen diesbezüglich vorne. Anfang und Innovation sind überall gewollt. Doch die Selbstverortung ist schwieriger denn je. Können Festspiele überhaupt noch Perspektiven öffnen? Oft in diesem Sommer dachte man: Alles läuft. Aber nichts geht.

Stichwo...

Synergetische Klangkunst

Franz Liszt ist einer der wenigen Komponisten des 19. Jahrhunderts, der alle Gattungen kompositorisch bedacht hat: Solostück, Kammermusik, Orchesterwerk, Lied, Messe und Oratorium, Konzert und Oper. Doch ausgerechnet die Oper wirkt wie ein Fremdling in seinem ansonsten so üppigen Werkkatalog. Als Jugendlicher versucht er sich an «Don Sancho ou Le Château de...

Anregend, ausgewogen, aufregend

Aufnahmen im Mehrkanalton-Verfahren tendieren oft zu einer gewissen Weichzeichnung. Der Klang ist räumlicher, aber oft auch weniger scharf konturiert. Man mag das bedauern, doch dem «Parsifal», der im Dezember 2010 mit den Philharmonikern des Niederländischen Rundfunks unter Jaap van Zweden anlässlich einer konzertanten Aufführung in Amsterdam mitgeschnitten wurde,...