Mixtur für die Sommerfrische
Schon unter der Direktion von Stéphane Lissner, aber auch seit dem Amtsantritt Bernard Foccroulles (2007) fungiert das Festival von Aix-en-Provence als Gegengewicht zu dem, was heute gemeinhin unter «kritischem» Musiktheater verstanden wird. Es sind weniger starke Ideen oder Konzepte, auch nicht thematische Leitlinien, die den Geist von Aix prägen, sondern – wohl abgewogen – Trends und Duftnoten, die in der Luft liegen. Die szenische Befragung der Werke wirkt generell optisch attraktiv; weltgewandter Konservatismus dominiert.
Man hat das Gefühl, dass Aix immer auch auf das Einverständnis jener Schichten schielt, die Parameter des guten Geschmacks vorgeben. Experimente der musikalischen Avantgarde oder ein Theater, das sich an gesellschaftlichen Verwerfungslinien entzündet, wird man nicht finden. Die schicke, elegante Einrichtung von Repertoirestücken paart sich mit Proben einer gemäßigten Moderne. Musik und Musiktheater als ferngerückte Gegenwelt zu den Niederungen des Alltags. Eine spielerische Mixtur für die Sommerfrische.
Überlebenskampf:
«La traviata»
Die Uraufführungsproduktion, Oscar Bianchis Kammeroper «Thanks to My Eyes», kam beim Publikum ebenso gut an wie der ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Frieder Reininghaus
In Bonn stehen Oper und Schauspiel unter scharfem Sparbeschuss des SPD-Oberbürgermeisters. Mit seiner Weigerung einer Vertragsverlängerung wirkt Generalintendant Klaus Weise jedenfalls nicht wie ein Schlafwandler, sondern wie ein klar denkender Prinzipal, der sein Haus lieber nach guter Arbeit mit erhobenem Haupt verlässt, statt später die Scherben zusammenkehren...
Den eindrucksvollsten special effect seines ganzen Opernschaffens konnte Gaetano Donizetti nie hören: Weil der für die Uraufführung seiner «Lucia» verpflichtete Glasharmonika-Spieler sich kurz vor der Premiere mit der Theaterleitung überworfen hatte, musste der Komponist die Begleitung der Wahnsinnsszene kurzfristig für Flöte umschreiben. Der weltweite Erfolg des...
Entwarnung. Eine neue Händel-Oper ist mit «Germanico» nicht entdeckt worden. Die
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