Dieser vermaledeite Phallus
Der scheidende Genfer Intendant Aviel Cahn glitzert. Kleidungstechnisch zumindest. Er verbreitet zu Beginn des Abends gute Laune und weist schon auf die Gratis-Verköstigung nach Vorstellungsende hin. Spoilern wir: Es gibt Hotdogs. Das muss erwähnt werden, weil diese Speise zum vorher Erlebten passt. Viel Fett, viel künstliche Zutaten und natürlich erinnert die Hauptzutat an einen Phallus ... Den sehen wir oft und in diversen Formen auf der Bühne, gern kombiniert mit mäßig originellen Ideen.
Auftritt: Donald Trump.
Selbiger ist übergewichtiger als in der Realität und trägt einen Mini-Schniedel vor sich her. Irgendwann regnet es Ballon-Penisse vom Himmel. Eher höllisch wirkt eine gigantische Peniskanone, die aufs Publikum zielt, aber dann doch nicht abgefeuert wird. Dies ist das Schlussbild, welches Teile des Publikums auch kräftig abfeiern, allerdings nicht die Mehrheit. Wobei man sich im calvinistischen Genf auch nicht sehr empört über eine Inszenierung, die Frank Zappas (in dieser Form) im Jahr 2000 erstmals beim Holland Festival gezeigtes Musiktheater-Fresko «200 Motels» durch eher billigen Klamauk vergegenwärtigen will. Trump auf der Bühne, gähn! Penisse und Drag-Gehampel, ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Jörn Florian Fuchs
Georges Bizets «Carmen» ist vielleicht das am gravierendsten verkannte Repertoirestück. Seit 1908 sind weit über 200 Gesamteinspielungen erschienen. Keine einzige wird dem Geist dieser «Operette mit tödlichem Ausgang», wie Bizet selbst sein Werk nannte, gerecht. Auch der Versuch zweier renommierter französischer Institutionen, des Palazzetto Bru Zane und der Opéra...
Alle Jahre wieder zeigt sich ein Gespenst auf deutschsprachigen Bühnen: Lortzings «Zar und Zimmermann». Einst ebenso oft gezeigt wie der «Freischütz» und «Fidelio», geistert das Stück nur noch als phantom of the opera durchs Land, omniprominentes Mitglied einer scheintoten Gattung namens Spieloper.
Der Mentalitätswandel, schon klar. Und ein Kulturverlust. Richard...
Auf dunkler Leinwand wächst der weiße Umriss einer Burg. Skizzenhaft hingezeichnet mit Türmen, Zinnen und vergitterten Fenstern. Dann erscheint ein Schriftzug: «Liebes Tagebuch, es ist furchtbar, ich wurde entführt! Doch so furchtbar ist es eigentlich gar nicht …» Die Regisseurin Cordula Däuper lässt in ihrer Mannheimer Inszenierung von Mozarts «Zauberflöte» das...
