Fluch der Vergangenheit
Von Walter Benjamin stammt die scharfsinnige, nur bedingt anfechtbare These, Schicksal und Charakter würden einander ausschließen: «Wo das Schicksal herrscht, sei, so der Philosoph, «für Charaktere, die standhalten, kein Platz, und wo sich Charaktere ungebrochen behaupten, bleibt das Schicksal fern.
» In den Opern Verdis ist meist Ersteres der Fall, wobei man beileibe nicht behaupten möchte, ein Macbeth und ein Simon Boccanegra, eine Donna Leonora und ein Don Alvaro, ein Rigoletto oder eine Violetta Valery besäßen keine signifikanten, sich den negativen Verlaufskurven ihres Lebens widersetzenden «Charaktere». Doch wie sie sich auch winden und wehren, nie je reicht dieser Wille zur Umkehr aus, um Fortunas wirrem Walten zu entgehen. Ihre unbestimmbare Macht ist stärker, sie setzt sich durch. Und am Ende steht der Tod in der Tür, spöttisch grinsend.
So ist es auch in «Il trovatore», dem mittleren jener drei Nachtstücke, die Verdi zwischen 1853 und 1862 komponierte, aus der Taufe gehoben am 19. Januar 1853 im römischen Teatro Apollo, mit dem Komponisten am Pult. Ein lieto fine ist, wie in «Simon Boccanegra» (den Verdi 1881 noch einmal einer grundlegenden Revision unterzog) und wie ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Otten
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