Dieser seltsame Duft von Déja vu
Die Ära von Roland Geyer, dem Gründungsintendanten des Theaters an der Wien, neigt sich mit einer Produktion ihrem Ende entgegen, die wenig typisch ist für das Haus, an dem sich in den letzten Jahren Großtaten wie etwa Tatjana Gürbacas kühne «Ring»- Dekonstruktion ereigneten. Kurz vor der wegen Generalsanierung nötigen Schließung des Stammhauses und der Übernahme des Chefsessels durch Stefan Herheim erzeugt die «Jenůfa»-Inszenierung der designierten Wiener -Volksoper-Intendantin Lotte de Beer vielmehr einige seltsame Déjà-vu-Momente.
Das erste Déjà-vu ist die Ausstattung: Christof Hetzer hat ein wandelbares Gebilde aus schrundigen Mauern, Treppen und Kammern auf die Bühne gesetzt, das in seiner Mischung aus Hyperrealismus und Abstraktion der Opernästhetik der 1970er-Jahre entspricht. Auch Jorine van Beeks Kostüme bemühen mit üppiger Folklore, Masken-Mummenschanz, Trachten, Uniformen und grauer Gefängniskluft Erinnerungen an die Zeiten herauf, als man beim TV-Ratespiel «Erkennen sie die Melodie?» Opern noch anhand von Kulisse und Kostüm zuordnen konnte. Das zweite Déjà-vu betrifft de Beers Konzept, mit dem sie ihrem Hang zu tiefenpsychologischen Konstruktionen treu bleibt. Die ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Regine Müller
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