Die totale Hingabe

«Du spinnst»: Das war die erste Reaktion, als Christian Thielemann sie inständig bat, die Brünnhilde zu singen. Mittlerweile wirft sich Anja Kampe nur zu gern und nicht nur bei Wagner in ihre hochdramatischen Partien. Ein Gespräch über Risiken, unvorbereitete Regisseure, tolle Kollegen und die ostdeutsche Sozialisation der Sopranistin

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Frau Kampe, was macht man eigentlich als Brünnhilde zwischen den Vorstellungen und «Ring»-Zyklen?
Ausruhen! Manchmal gehe ich auch zur Massage, damit sich der Körper ein bisschen entspannt. Ansonsten spazieren gehen, Dinge tun, die nicht allzu anstrengend sind. Aber sich völlig gehen zu lassen, ist auch nicht gut. Man muss den Motor schon am Laufen halten.

Ist es eine körperliche oder auch emotionale Erholung?
Beides. Es gibt in dieser Rolle schließlich gefühlsmäßig einiges zu verkraften.

Abgesehen davon: Bei Christian Thielemann bleibt es immer spannend: Dieses Jahr an der Berliner Staatsoper hat er vieles schneller dirigiert; das war unvorhergesehen, und das muss man auch entsprechend einbauen. In dieser Inszenierung hat man schnell mal einen Balken vor der Nase, oder die Bühne dreht sich. Da ist es nicht immer so einfach, Kontakt zu halten.

Müssen sie sich die Riesenpartie noch bewusst einteilen über die drei Abende oder haben Sie den Anja-Kampe-Modus gefunden, und alles läuft wie Autofahren?
Letzteres wird nie ganz funktionieren. Noch dazu habe ich die Brünnhilde in der «Götterdämmerung» relativ gesehen am wenigsten gesungen, da gibt es immer noch einiges zu disponieren. ...

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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Interview, Seite 46
von Markus Thiel

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