Frau Luna lächelt

Janáček: Die Ausflüge des Herrn Brouček INNSBRUCK | LANDESTHEATER

Opernwelt - Logo

Auch der feige Spießer verlangt zuweilen nach einer Prise Spaß. Aber woher nehmen, wenn niemand da ist, der ihm diesen gewährt? Da hilft so manchem nur der Alkohol, um dem Absolutismus der Wirklichkeit zu entfliehen und das eigene Bewusstsein zu überlisten, welches ja seiner selbst gar nicht bewusst ist, solange es von sich selbst getäuscht wird.

Also trinkt sich Matej Broućek, wie er da einsam und allein unter einer Laterne in den Gassen seiner Heimatstadt hockt, den Bierhumpen in der Hand, mitten hinein in (s)eine Scheinwelt, und weil der Mond über Prag ohnehin gerade scheint, träumt er sich gleich mal hinauf in trabantisch-interstellare Sphären.

«Die Ausflüge des Herrn Broućek» sind Janáčeks einzige satirische Oper; die Frage ist nur, in welcher Sprache man sie aufführen sollte. Die Verantwortlichen des Tiroler Landestheaters Innsbruck haben sich für die deutsche Übersetzung entschieden, was zwar der Verständlichkeit dient (wer die verworren-surreale Handlung und ihre historischen Verweise nicht kennt, ist ohnehin heillos verloren), Janàčeks Sprechmelodien aber einen erheblichen Teil ihrer Magie raubt. Wie man es dreht und wendet, im Original klingen die «nápêvky mluvy» um ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Erfrischend originell

Mag ihre biblische Authentizität auch in Frage stehen: Zum Kanon des Alten Testaments wird Judith allemal gezählt. Sie kann sogar als populärste weibliche Gestalt der Heiligen Schrift gelten. Die Frau, die ihr Volk von den Assyrern befreite, indem sie deren Heerführer Holofernes enthauptete, hat nämlich eine erstaunliche Zweitkarriere in der Kunstgeschichte...

Wotans Sternstunde

Die «Walküre» ist die mit Abstand populärste Oper aus Wagners «Ring». Doch findet sich darin die wohl unbeliebteste halbe Stunde der ganzen Tetralogie, noch vor der ähnlich langen Wissenswette in «Siegfried»: Wotans sogenannter Monolog im zweiten Aufzug. In Tat und Wahrheit handelt es sich dabei um eine erst nachdenklich, dann zunehmend hitzig formulierte...

Putzig geht anders

Die Natur, diese alles umfassende Metapher für Leben und Sein alles Kreatürlichen in Leoš Janáčeks drittletzter Oper, wird ausgesperrt in der Stuttgarter Inszenierung von Stephan Kimmig (Regie) und Katja Haß (Bühnenbild). Allerhöchstens als Projektion züngeln anfangs florale Videobilder – auch in ein unheimlich schwarzweißes Negativbild sich wandelnd – an einem...