Die Tortur des Kreises
Wo bleiben die Gehilfen? Wir warten. Und warten. Und warten. Einen ganzen Abend lang. Wie Wladimir und Estragon. Aber K.s Lakaien aus dem Schloss-Roman lassen sich so wenig blicken wie Becketts Godot. Sven Holm und seine Musiktheaterperformancetruppe Novoflot haben die beiden Clownsknechte auf ihre «Winterreise» nach Franz Kafka nicht mitgenommen. Und damit einen Zünder aus der Hand gegeben, mit dem das jüngste Novoflot-Projekt vielleicht wie eine Marthaler-Murx-Rakete hochgegangen wäre. So aber hoffte man vergeblich auf ein bisschen Slapstick der Vergeblichkeit.
Stattdessen rotierte im Haus der Berliner Festspiele bloß die mit Publikum beschwerte Drehbühne – um eine mit Zeitgeist-Zutaten gewürzte Mischung aus Kinderlaienspiel, Knabenchorvorstellung, szenischem Liederabend, Live-Comics (am Laptop: Ulrich Scheel), Soloposaunenjazz (Nils Wogram) und spärlichen Avantgarde-Klanggesten (Aleksandra Gryka) einer fünfköpfigen Combo (das ensemble mosaik unter Leitung von Vicente Larrañaga).
«Ah, es wird lustig sein», versprechen zwei kleine Mädchen den eingangs auf groben Leinensäcken lagernden Zuschauern und tanzen Ringelreihen zum improvisierten Groove des Posaunisten. Ja, wenn es nur ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Albrecht Thiemann
Kaum ein Theaterklassiker provoziert so widersprüchliche Gefühle wie Kleists Prinz von Homburg, gleichsam die preußisch-protestantische Neuauflage der altgriechischen Tragödie: Anstelle der Götter gebietet der Kurfürst über Sein oder Nichtsein. Nachdem er den unbotmäßigen Prinzen durch das Stahlbad lutherischer Selbsterkenntnis geschickt hat, erlässt er ihm in...
54. Jahrgang, Nr 3
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag - Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752253
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61, 10719 Berlin
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 11.02.2013
Redaktion:
Stephan Mösch (V. i. S. d. P.)
Albrecht...
Wer sich als Komponist an den Lyriker Nietzsche wagt, begibt sich auf heikles Terrain. Meist machen die Verse selbst schon so viel Musik, dass kein Raum für Vertonungen zu bleiben scheint. Pascal Dusapin (Jahrgang 1955) hat es auf Bitten des Baritons Georg Nigl dennoch versucht – und gleich einen ganzen Nietzsche-Zyklus für Stimme und Klavier geschrieben, der 19...
