Alles fliesst

Verdi: I due Foscari Valencia / Palau de les Arts Reina Sofia

Auf dem Wasser spielt der Wind, unter der Oberfläche tanzen Sonnenstreifen. Doch dunkle Schlieren malen Marmormuster ins klare Grau: Blut? Was während des Vorspiels auf den Gazeschleier projiziert wird, passt zu dem, was im Graben vor sich geht – denn hier verblüfft Omer Meir Wellber, der junge israelische Chefdirigent des Palau de les Arts Reina Sofia in Valencia, mit einem Verdi-Klang, der mit der Präzision eines Skalpells unter die Haut geht. Nicht süffig, sondern karg und düster, getränkt von abgründiger Melancholie. Da bleibt kein Gramm Hoffnung für die beiden Foscari.

Die Rechte hält zurück, zieht voran und variiert die Gestalt des Schlags so gekonnt, dass alle Farben sichtbar werden – Wellber bräuchte die Linke gar nicht, setzt sie aber überaus sprechend ein, um hier eine Phrase der Flöten, dort eine der Violinen auszuformen. Große Musikalität. Und das Orquestra de la Comunitat Valencia folgt jedem Fingerzeig.

Dann lüftet sich der Schleier. Auf der Bühne stützt sich Kevin Knights Betonbunker schwer auf gebrechliche Balken. Regisseur Thaddeus Strassberger erzählt den unaufhaltsamen Untergang der Foscari so geradlinig, wie der Rat der greisen Zehn in sattem Kardinalsrot ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Subtile Balance

Ein «Traum» steht am Anfang. Eine Sopranstimme sucht Halt. Silben, Satzfetzen: «ha / be / dir / dir / ge- / sagt / du». Bruchstücke einer (erinnerten) Geschichte? Das Du will fort. Von ihr? Einer Frau namens Katja, die hier vielleicht einen Schlussstrich zieht? Erst dieses «fort» bleibt stehen, eine gefühlte Ewigkeit lang von Sarah Maria Sun gehalten, cantabile,...

Neue Impulse im alten Plüschkasten

 Das Cello-Solo im ersten Akt dirigiert er aus. Und auch sonst ist Lawrence Renes ziemlich pingelig bei dieser Walküre. Einfach die Musik laufen lassen – das fällt ihm vorerst noch schwer. Das dürfte vor allem zwei Gründe haben: Erstens ist das Stück noch relativ frisch für den neuen Musikchef der Stockholmer Oper. Und zweitens braucht das Orchester genaue...

Herrschaft der Gewissenlosen

Rechte Winkel, karge «Bauhaus»-Strenge. Befinden wir uns in einem Zuchthaus? Die eintönige Farbpalette der Kostüme spricht dafür: Man trägt Schwarz oder Dunkelblau, König Gustav einen Diktatorenanzug in Pflaume. Nur die Wahrsagerin Ulrica sticht durch ihre giftgelbe Schärpe heraus; sie ist auch die Einzige ohne Latexmaske. Grelles Licht strömt, brutal wie zum...