Männerfreundschaft

Budapest, Tschaikowsky: Eugen Onegin

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Für einmal macht Triquet keine graziösen Faxen, sondern stürmt und drängt, führt quasi die Leiden des jungen Werther vor. Am Schluss seiner Couplets schenkt er Tatjana, die er offenbar tief verehrt, eine dunkle Blume – jene Blume des Abschieds vielleicht, von der Rilke sagt, sie blühe irgendwo und streue «immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber; auch noch im kommendsten Wind atmen wir Abschied».
Später gibt Tatjana sie an Lenski weiter.

Der wiederum greift im Duell nicht zur Pistole; vielmehr holt er die Waffe seines Freundes Onegin hervor, die dieser offenbar am Herzen trägt, legt sie behutsam in seine Hand mit der Bitte zur Exekution. Denn der Dichter ist lebensmüde, lässt sich quasi von seinem Freund hinrichten. Balázs Kovalik, Regisseur dieses «Eugen Onegin» an der Budapester Staatsoper, hat den Text genau gelesen und sehr genau in die Musik hineingehört und in beiden deutliche Spuren von Peter Tschaikowskys Homo­sexualität gefunden: Mit dem «Herzensfreund», von dem Lenski im Mittelteil seiner Arie Abschied nimmt, sei mitnichten Olga gemeint, sondern eben Onegin.
Kovalik erzählt in diesem «Eugen Onegin» an der Budapester Staatsoper keine realistische Story, sondern nimmt ...

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Opernwelt August 2008
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Gerhard Persché

Vergriffen
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