Frühstück im Grünen

Turin, Puccini: Edgar

Opernwelt - Logo

Im Jahr seines 150. Geburtstages scheint Giacomo Puccini immer noch kaum über den Ruf eines preiswerten Pralinenlieferanten hinausgekommen. Für die verschiedenen Versionen seiner Opern, für Früh- und Nebenwerke interessiert sich kaum jemand. Wie anders wäre es zu erklären, dass die wiederentdeckte Urfassung von Puccinis «Edgar» – mit fast vierzig Minuten neuer, bes­ter Puccini-Musik – nicht in Mailand, Rom oder Berlin wiederaufgeführt wurde. Sondern im eher entlegenen Teatro Regio von Turin.

Ein Jahrhundert lang wurde die dreiaktige, um den Final-Akt gekürzte Fassung auf­geführt – und auf CD verewigt mit Carlo Bergonzi und Renata Scotto, Carl Tanner und Julia Varady sowie jüngst in einer Gesamtaufnahme mit Plácido Domingo. Puccini sah sich zu Kürzungen gedrängt, nachdem der Uraufführung in Mailand 1889 ein nur mäßiger Erfolg beschieden war. Wirkungsgeschichtlich den Garaus gemacht hat «Edgar» die Handlung. Die Geschichte vom einfältigen, flandrischen Findling, der sich zwischen zwei Frauen nicht entscheiden kann, endet mit einem Hoch aufs Schafott, wo man die ruchlose Zigeunerin Tigrana hinrichten will.
Lorenzo Mariano inszeniert die Fabel (nach Alfred de Musset) in Turin jetzt als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2008
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Droge, Tristan, Parsifal

«Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, ist nichts als Eure Bequemlichkeit und Schlamperei» – Gustav Mahlers grimmiger Satz wurde bestimmend in den sechziger Jahren für Peter Stein, Hans Neuenfels, Klaus Michael Grüber, Claus Peymann, Hansgünther Heyme, Achim Freyer, Pina Bausch, Johann Kresnik, Robert Wilson. So groß die Unterschiede zwischen ihnen waren, so...

Groucho als Abräumer

Dolly war nur der Anfang; jetzt klonen sie bereits Groucho Marx. Zumindest schien der Komiker Ende Juni in viel­facher Ausführung durch Foyer und Zuschauerraum des Grazer Schauspielhauses zu wuseln und sich auch auf der Bühne an mehreren Klavieren gleichzeitig zu betätigen: Männer mit schwarzen Perücken und ebensolchen aufgeklebten Schnäuzern. Perplex der...

Die entkleidete Oper

Eigentlich wollen wir sie nicht mehr sehen, diese Herren in ihren mausgrauen Anzügen, mit Schlips und Köfferchen. Und dieses Lounge-Mobiliar mit Ledersofa, Rolltreppen, Hotel-Lobby- und Airport-Lifts. Dennoch: Chris­tian Schmidts «Rinaldo»-Ambiente in Zürich geht letztlich doch auf. Zumal, wenn sich herausstellt, dass Ramses Sigls Schlips-und-Kragen-Ballett der...