Die Partitur als Stadtplan
Die Frage lässt sich wohl kaum intuitiv beantworten und hat mit persönlichem Geschmack wenig zu tun: Machen die Musiker wirklich das, was der Komponist sich vorgestellt hat? Auch der Blick in den Klavierauszug gibt nur pauschal Auskunft. Um hier tiefer einzudringen, bedient sich der an vielschichtigem Verstehen interessierte Hörer dessen, was der Dirigent unbedingt benötigt: der Partitur.
Mag darin, wie Gustav Mahler einmal spöttisch anmerkte, «alles stehen, nur das Wesentliche nicht», so kann man dort nicht nur überprüfen, wo gekürzt wurde, sondern auch, ob die Temporelationen stimmen, wie die Dynamik der Instrumente gedacht ist und vieles mehr. Es ist wie bei einem Stadtplan, der uns zeigt, in welcher Gasse wir uns gerade befinden.
Einen solchen «Stadtplan« gibt es nun auch für Erich Wolfgang Korngolds Traum-Oper «Die tote Stadt». Aufgrund des anhaltenden Erfolgs dieses bei den parallelen Uraufführungen in Köln und Hamburg 1920 enthusiastisch aufgenommenen, dann aber in Vergessenheit geratenen Bühnenwerks frei nach Georges Rodenbachs symbolistischem Roman «Bruges-la-Morte» entschied sich der Schott-Verlag, die gesamte Partitur (und damit auch das vollständige ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Christoph Schlüren
Ohne Umschweife steht die von Jetske Mijnssen realisierte Zürcher Inszenierung von «Hippolyte et Aricie» dazu, dass es sich bei der Oper Jean-Philippe Rameaus um einen Stoff handelt, der inhaltlich wie formal aus weit entlegener Vergangenheit stammt. Für sein Textbuch hat sich der Librettist Simon-Joseph Pellegrin auf eine Tragödie von Jean Racine gestützt, der...
Herr Farnes, es ist ja recht still um Sie. Ihr Agent meinte, Sie gäben nicht gern Interviews.
Ach, wenn jemand mit mir sprechen möchte, helfe ich gern aus. Aber es stimmt, Selbstvermarktung ist mir unangenehm. Vielleicht bin ich auch einfach nicht ehrgeizig genug.
Wenn Ihnen Ruhm so wenig bedeutet: Wonach suchen Sie stattdessen?
Nach Zufriedenheit.
Wovon hängt...
Die Frage nach dem feurigen Engel ist keine, die durch Magie, Wissenschaft oder Theologie beantwortet werden kann. Er ist Symbol, genauer: projizierter Fixstern im jungen Leben Renatas. In Kindertagen war er ihr (einziger?) imaginierter Spielkamerad, in der Pubertät mutierte er zum angstbesetzten, unkontrollierbaren Zerrbild körperlicher Begierden. Dämonisierte...
