Abgeschossen
Ein halbes Jahrhundert dauerte es, bis Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» nun auch Wiesbaden erreicht haben. Das in seinen inneren Dimensionen riesige, aber bis ins winzige Detail durchstrukturierte Bekenntniswerk eröffnete die Maifestspiele 2016. Uraufgeführt wurde es bereits 1965. Ein klares Signal des neuen Intendanten Uwe Eric Laufenberg. Ein überfälliges Signal auch, denn die Maifestspiele haben zwar eine lange, bis ins 19.
Jahrhundert zurückreichende Tradition, sie hatten aber in den letzten Jahren – umspült von einer starken Festival-Flut – längst ihre Konturen verloren und waren im Opernbereich eine müde Mischung aus Gastspielen und Hausmannskost.
Nun also – nein, kein Paukenschlag, sondern ein «Schreiklang», wie Zimmermann das nannte: in sich heftig verschobene Cluster, maximaler musikalischer Überdruck, ein multimedial entworfenes, Zeit und Raum durcheinanderwirbelndes, nach wie vor hypertrophes Musiktheater. Was bei Lenz, der literarischen Vorlage, eine bitter-satirische, sozial präzise Anklage von «Soldatenmenschen» ist, das weitet Zimmermann zum Menschheitsdrama: Das ganze Leid der Welt wird auf das gefallene Bürgermädchen Marie projiziert. Homo homini lupus. ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Stephan Mösch
Die Thesen des amerikanischen Politologen Samuel Huntington vom «Clash of Civilizations», dem eskalierenden Konflikt zwischen dem «Westen» und der islamischen Welt, sind zwar nach den Pariser und Brüsseler Anschlägen kaum hinfällig geworden, bleiben aber in ihrer pauschalen Polarität wenig produktiv. Gleichwohl verschärfen sich weltweit die Gegensätze zwischen...
So einem Siegfried begegnet man selten. Einem, der nicht nur über den ganzen Abend stark vor-, sondern kurz vor Schluss auch noch eine Spitzenleistung hinlegt. Atemlos lauscht man da, wie Thomas Mohr seinem Rollendebüt die Krone aufsetzt. Wie er als Wagners verstrickter Erlösungsrecke am von Hagen gereichten Gegengift zum Vergessenstrank nippt und sich plötzlich...
Philippe Boesmans ist nicht der erste, aber der bislang erfolgreichste Komponist, der Arthur Schnitzlers «Reigen» auf die Opernbühne brachte. Das «erektiefste» Stück , so das Bonmot des Schnitzler-Freundes Richard Beer-Hofmann, das bei seiner Uraufführung einen Theaterskandal auslöste, bietet mit seiner Variationsstruktur des Immergleichen – zehn Paare finden sich...
