Die Kinder des Monsieur Mathieu sind schlecht gealtert
Die biografischen Booklet-Notizen zu dem 1973 geborenen französischen Komponisten Julien Joubert auf der CD «Ariettes oubliées» lesen sich so, als sei hier ein Jahrhundertgenie anzupreisen, von dem der Neue-Musik-kundige Autor dieser Zeilen allerdings noch nie etwas gehört hatte. Nun denn, en garde! Jedes Gattungsfeld hätte Joubert schon einmal bestellt, so heißt es da; ganz gleich, ob Musical oder Oper, Symphonik, Kammermusik oder Kinderoper – und Jugendchöre, von denen er über 80 bereits vorgelegt habe. Und so weiter.
Wir lieben derlei Lektüre von Aufzählungen in Kurzbiografien – und könnten mit nichts anderem unseren Lebensabend zubringen. Was nicht stimmt. Denn das auszuhalten, hieße, zu härtestem Stoff greifen zu müssen; zum Beispiel zu Absinth. Von diesem Getränk ließ sich der depressiv verrauschte, spätromantisch-symbolistisch verrauchte Dichter Paul Verlaine gerne in den Zustand der «nötigen Bettschwere» (Jan Philipp Reemtsma) geleiten. Und Gedichte von Verlaine sind es, die sich – vertont von eben jenem Julien Joubert – nun auf einem neuen Album des Labels Alpha wiederfinden.
Schon Jouberts Landsmann Claude Debussy widmete sich 1887 – noch vor den ästhetisch ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Arno Lücker
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