Die heilige Rus in Glorie und Bedrängnis
Die Thesen des amerikanischen Politologen Samuel Huntington vom «Clash of Civilizations», dem eskalierenden Konflikt zwischen dem «Westen» und der islamischen Welt, sind zwar nach den Pariser und Brüsseler Anschlägen kaum hinfällig geworden, bleiben aber in ihrer pauschalen Polarität wenig produktiv. Gleichwohl verschärfen sich weltweit die Gegensätze zwischen Moderne, demokratischer Liberalität und dogmatisch nationalistischer Staatsfrömmigkeit, ob in Russland, Polen, Ungarn, der Türkei, in Ansätzen selbst der Schweiz, nicht nur der Sächsischen.
Das «Eigene» und das «Fremde» sind wieder tragende Begriffe geworden, und gerade in Russland haben sich bestürzende Paradigmen-Schwenks ergeben. Ausgerechnet unter dem Ex-KGB-Mann Putin ist Polemik gegen die orthodoxe Kirche unstatthaft, während vor 1990 prochristliche Meinungen tabu waren. Das alte, wahre, heilige, mächtige «Mütterchen» Russland ist erneut höchstes Gut, das Westliche des Teufels: Die alten Klischees von der generellen Unvereinbarkeit russischer und «europäischer» Mentalität feiern Auferstehung.
Da ist es natürlich überaus hilfreich, einen außerordentlich profunden Einblick in einen wesentlichen Sektor zu erhalten: Alexej ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 35
von Gerhard R. Koch
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