Die heilige Rus in Glorie und Bedrängnis
Die Thesen des amerikanischen Politologen Samuel Huntington vom «Clash of Civilizations», dem eskalierenden Konflikt zwischen dem «Westen» und der islamischen Welt, sind zwar nach den Pariser und Brüsseler Anschlägen kaum hinfällig geworden, bleiben aber in ihrer pauschalen Polarität wenig produktiv. Gleichwohl verschärfen sich weltweit die Gegensätze zwischen Moderne, demokratischer Liberalität und dogmatisch nationalistischer Staatsfrömmigkeit, ob in Russland, Polen, Ungarn, der Türkei, in Ansätzen selbst der Schweiz, nicht nur der Sächsischen.
Das «Eigene» und das «Fremde» sind wieder tragende Begriffe geworden, und gerade in Russland haben sich bestürzende Paradigmen-Schwenks ergeben. Ausgerechnet unter dem Ex-KGB-Mann Putin ist Polemik gegen die orthodoxe Kirche unstatthaft, während vor 1990 prochristliche Meinungen tabu waren. Das alte, wahre, heilige, mächtige «Mütterchen» Russland ist erneut höchstes Gut, das Westliche des Teufels: Die alten Klischees von der generellen Unvereinbarkeit russischer und «europäischer» Mentalität feiern Auferstehung.
Da ist es natürlich überaus hilfreich, einen außerordentlich profunden Einblick in einen wesentlichen Sektor zu erhalten: Alexej ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 35
von Gerhard R. Koch
Blutüberströmt liegt die Leiche des jungen John im Bett. Als sich die wütende Meute aus dem Dorf dem Haus des Fischers Peter Grimes nähert, hat der sein nächstes Opfer längst geschlachtet. Grimes scheint verwirrt, spricht noch mit dem Gehilfen. Montagu Slaters Libretto erzählt die Geschichte etwas anders, da lebt der Junge noch. Doch in Tilman Knabes Dortmunder...
Seit Uwe Eric Laufenberg am Staatstheater Wiesbaden den Ton angibt, ist Ingo Kerkhof dort ein begehrter Mann. In der aktuellen Saison stehen allein drei Musiktheaterproduktionen des Berliner Regisseurs auf dem Spielplan: Glucks «Orfeo et Euridice» (als Wiederaufnahme), das jüngste Bühnenstück von Helmuth Oehring (siehe oben) und Händels «Alcina». Wobei er der 1735...
Die Avantgarde bröckelt manchmal schneller, als man gucken kann. Valencias Opernhaus, dem Palau de les Arts Reina Sofía, musste keine zehn Jahre nach der Eröffnung 2005 eine neue Keramikhaut übergezogen werden – ob der Werkstoff dieses in Beton gegossenen architektonischen Hüftschwungs des Baumeisters Santiago Calatrava sich überhaupt eignet, wo Wind und...
