Chiaroscuro

In Zürich spitzen Teodor Currentzis und Barrie Kosky Verdis «Macbeth» dramatisch zu. Die Baseler Version unter Erik Nielsen kann sich vor allem hören lassen

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In tiefem Dunkel liegt der Raum. Vorn schneidet eine ovale Deckenleuchte eine Höhle aus Licht in die Finsternis. Kalter Glanz fällt auf starre Schwingen, matte Glieder und gefiederte Gelenke, achtlos gehäuft: Mehr ahnt man die Vogelleichen, als das man sie erkennt. Aus dem Hügel ragt, blendend weiß, eine Menschenhand hervor.

Von hinten schiebt sich eine Phalanx nackter Gestalten heran. Man wollt’ sie Frauen nennen, die «Macbeth»-Hexen – trügen nicht die Weiber beachtliches Gemächt, die Männer Venushügel.

In Barrie Koskys Inszenierungen gehören Gender-Spiele zum gewohnten Inventar, doch hier sind sie mehr als eine Masche. Tier um Tier tragen die Statisten (der Chor bleibt unsichtbar) den Rabenberg ab, bis sie Macbeth freigelegt haben. Er steht auf, Haar und Bart wild zerzaust. Dazu trägt er einen schwarzen Mantel, bodenlang, mit Flügelärmeln, so dass im steilen Schein der Lampe wie in einem Rembrandt-Porträt nur Gesicht und Hände hervortreten. Ihn und Banquo umzingeln die Zwitterwesen, die ein Projektor mit Lichtflecken besprüht, bis die Grenzen der einzelnen Leiber völlig verschwimmen. Finger flattern wie Insekten. Schier ertrinken die beiden Krieger im Geschwirr, schnappen nach ...

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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Wiebke Roloff

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