Die beste Waffe ist die Ironie
Der Rheinoper ist zum Saisonstart endlich wieder eine rundum überzeugende Eigenproduktion geglückt (Barrie Koskys Trickfilm-«Zauberflöte» ist ja «nur» ein schlauer Einkauf von der Komischen Oper Berlin). Altmeister Dietrich Hilsdorf läuft in der 150. Regie seiner Karriere zu großer Form auf. Es ist seine erste Begegnung mit dem von ihm bisher gemiedenen Richard Strauss.
Ausgerechnet die komödiantische «Ariadne auf Naxos» hat er sich vorgenommen, jene etwas in die Jahre gekommene Reflexion des Theaters über sich selbst, die mit ihren holzschnittartigen Klischees und Witzchen allzu oft banal oder langweilig gerät. Hilsdorf aber spielt elegant mit den Klischees, streift furchtlos die angelegten Plattitüden, räumt zugleich den Weg frei für Subtilitäten und neue Einsichten – und macht aus dem Stück eine federleichte Kammeroper.
Das Orchester sitzt hinten auf Dieter Richters Bühne, abgetrennt durch einen Gazevorhang, auf dem Arnold Böcklins berühmte «Toteninsel» prangt. Vorspiel und Oper spielen sich größtenteils zum Greifen nahe auf dem überbauten Orchestergraben ab. Die Umkehrung der Verhältnisse unterstreicht Richter, indem er das typische 1950-Jahre-Ambiente des Düsseldorfer ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Regine Müller
Es vergeht kein Monat, ohne dass neue hörenswerte Aufnahmen mit Countertenören auf den Markt kommen. Drei der vier Sänger, deren neueste Alben hier vorzustellen sind, gehören schon zu den etablierten Vertretern ihres Fachs. Der junge Italiener Raffaele Pe ist noch nicht so bekannt, und ob es ihm gelingen wird, zu den Stars der Countertenorszene aufzuschließen,...
Frau Schneiderman, 1984 wechselten Sie von Heidelberg nach Stuttgart.
Ja, im Herbst vor genau 30 Jahren. Meine erste Rolle hier war die Cenerentola.
Welche Bedeutung hat das Ensemble für Sie?
Wenn man sich für eine Stadt entschieden hat, dann ist das Ensemble enorm wichtig. Es ist eben anders als bei einem Gastspiel, bei dem es zwar temporär zu einer familiären...
Draußen scheint der Kampf noch in vollem Gang. Eine Sirene ertönt. Es fallen Schüsse. Ein ewiger Aufschrei, unterbrochen allenfalls von den Marschtritten unzähliger Soldaten. Drinnen im Theater dagegen Totenstille. Erst nach und nach erheben die Gefallenen ihre Stimmen, wortlos weinend in der Finsternis, die sie umgibt. Sie steigen nicht aus den Gräbern, die nach...
