Windmaschine und Donnerkasten
Es vergeht kein Monat, ohne dass neue hörenswerte Aufnahmen mit Countertenören auf den Markt kommen. Drei der vier Sänger, deren neueste Alben hier vorzustellen sind, gehören schon zu den etablierten Vertretern ihres Fachs. Der junge Italiener Raffaele Pe ist noch nicht so bekannt, und ob es ihm gelingen wird, zu den Stars der Countertenorszene aufzuschließen, bleibt abzuwarten.
In seinem Album «The Medici Castrato», das den Spuren des Kastraten Gualberto Magli folgt, präsentiert er sich auf einem gesangstechnischen Niveau, das den heute geltenden enorm hohen Standards noch nicht entspricht. Immer wieder wackelt die Stimme, auf langen Tönen drückt Pe nach, vor allem in der oberen Lage sind die Grenzen seiner Möglichkeiten allzu deutlich zu hören. Trotzdem gestaltet er sehr intensiv, unterstützt von zwei vorzüglichen Instrumentalisten. Auch das Repertoire, Monodien unterschiedlicher Art aus dem frühen 17. Jahrhundert, verdient neugierige Hörer.
Die «Dilettanten», die Xavier Sabata auf seinem Album vorstellt, sind alles andere als komponierende Stümper, wie das heutige Wortverständnis vermuten ließe, sondern durchwegs große Könner, die das Komponieren aber nicht als Beruf, sondern ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Thomas Seedorf
Jean-Baptiste Lully und sein Librettist Philippe Quinault schufen die Tragédie lyrique, auch Tragédie en musique genannt, als nationales französisches Musiktheater. Bewusst sah man sich als musikalisches Pendant zur klassischen französischen Tragödie von Corneille und Racine, setzte sich von der italienischen Oper ab und strebte ein Gleichgewicht zwischen gereimtem...
Frisch durchgeschmust sitzt Katerina Ismailowa auf der Bettkannte und singt: «Na warte!». Sie meint damit nicht ihren Liebhaber Sergej und kündigt auch nicht an, dass ab jetzt entschieden zurückgeschmust würde. Nein, sie meint ihren Mann Sinowi, dessen Schritte sie hört und den sie gar nicht mehr gebrauchen kann in ihrem Leben. «Na warte!», heißt so viel wie: «Dich...
Auf die Idee mit dem sexy Sixpack sind beide gekommen: Zur optischen Auflockerung wird immer wieder ein halbes Dutzend knackiger Tänzer auf die Bühne geschickt, vorzugsweise in Kostümen mit minimalem Stoffverbrauch. Im dritten Akt trägt jeweils der gesamte Chor putzige Retro-Bademode, und auch eine schwule Kammerzofe gibt es doppelt.
Zwei große Opernhäuser der...
