Die Banalität des Bösen

Frankfurt | Verdi: Otello

Opernwelt - Logo

Der Regisseur Johannes Erath hat in seiner Frankfurter «Otello»-Inszenierung das Stück auf den Kopf gestellt und Verdis «Dramma lirico» als Brecht’sches Lehrstück vorgeführt. Zu diesem Zweck ließ er sich von Dirk Becker ins nackte Bühnenhaus eine steil ansteigende hölzerne Rampe setzen – Bretter, die hier buchstäblich die Welt bedeuten, auf denen requisitenlose Nüchternheit herrscht. Hundert Paar schachbrettartig aufgereihte Springerstiefel warten darauf, von der Chor-Soldateska angezogen zu werden.

Erath bespielt die kalt abweisende, von sichtbaren Lichtbrücken ausgeleuchtete Fläche raumgreifend in den großen Chorszenen, die intimen Szenen jedoch gehen unter. Auch sie spielen hier in der Öffentlichkeit, und das widerspricht dem Geist von Verdis Musik. Erath macht die Menschen, die in die Falle dieser Eifersuchtstragödie geraten, bewusst klein. Otello ist ein von Versagensängsten getriebener Schwächling, den der zu groß geratene Feldherrnmantel schier erdrückt und der, kaum dass er die Bühne betreten hat, erst einmal sein schwarzes Alter Ego erdrosselt. Desdemona regrediert zur blind liebenden Madonnenikone im Hochzeitskleid, und selbst Jago als Regisseur des Ganzen gewinnt wenig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Impressum

Redaktion:
Stephan Mösch (V.i.S.d.P.)
Albrecht Thiemann

Mitarbeit | Gestaltung:
Andrea Müller, Angelika Stein

Abonnement und Vertrieb:
Friedrich Verlag GmbH
Im Brande 17 | 30926 Seelze
Tel.: 49(0)511/40 00 41 52
Fax: 49(0)511/40 00 41 70
leserservice@friedrich-verlag.de

Anzeigen – Print und www.kultiversum.de:
Annika Kusche
Tel.: +49(0)2154/429051
Fax: +49(0)2154/41705
E-...

Leben, leiden, lernen

Der 62-jährige Manfred Trojahn kann mit einigem Recht als typischer Vertreter der deutschen «Literaturoper» apostrophiert werden, wie sie die um eine Generation älteren Komponisten Hans Werner Henze, Giselher Klebe oder Aribert Reimann praktizier(t)en. Da mit Claus H. Henneberg (der für ihn Pirandellos «Enrico» bearbeitete) und Christian Martin Fuchs (der das...

Im Focus

Es gibt Stücke, die gibt’s nicht wirklich auf den Spielplänen. Sie tauchen nur ab und zu dort auf, werden bestaunt, bewundert, befragt, befeuert und bisweilen auch belächelt. Dann verschwinden sie wieder – um später wieder aufzutauchen und bewundert und belächelt zu werden und wieder zu verschwinden. Man könnte sie Einzelgänger nennen, ohne dass sie deshalb gleich...