Die Anti-Diva
Die französische Schauspielerin Sarah Bernhardt hat durch ihren Darstellungsstil nicht nur die literarische Produktion ihrer Zeit wesentlich inspiriert, sondern auch auf die italienische Oper einen großen Einfluss gehabt. Tosca, Fedora, Adriana Lecouvreur gehörten zu ihren erfolgreichsten Rollen. Ihr melodischer Sprechgesang machte deutlich, dass diese Stücke geradezu nach einer Veroperung schrien.
«Würde sie nicht so dekadent und künstlich spielen, nicht so kalkulierend und überbetont, dann wären wir tatsächlich in Tränen ausgebrochen», lästerte der einundzwanzigjährige Medizinstudent und angehende Dichter Anton Tschechow, als sie in Moskau gastierte. In der Sterbeszene der Fedora stellte die Diva gar einen neuen Parameter für Schauspielkunst auf: «Faire sa Sarah» galt fortan als Synonym für einen gekonnt gespielten Bühnentod.
Magda Olivero hat das Kunststück fertig gebracht, den Bernhardt-Stil und die mit diesem verbundene, vergangene Epoche auf der Opernbühne wiederaufleben zu lassen, aber sie hat bislang für ihr Repertoire keine adäquate Nachfolgerin gefunden, wobei Renata Scotto und Raina Kabaivanska, die mittlerweile auch schon siebzig sind, ihr noch am nächsten kamen. ...
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Rechts die in Schieflage geratene Flanke eines italienischen Logentheaters, aus dem heraus Surin, Tomski und Tschekalinski Hermann wie ein Versuchskaninchen fixieren und in dem diesem seine wahnhaften Visionen erscheinen. Links ein luxuriöses Rokoko-Boudoir aus Plexiglas, das nach Eis aussieht und Auskunft gibt über den Zustand seiner Gefühle. Francesca Zambellos...
Und das soll er also sein – einer der «wenigen deutschen Weltstars des Films», wie ihn die Deutsche Oper Berlin ankündigt. Der Herr, der uns gegenüber sitzt, ist ein freundlicher Mittsechziger, den man als unauffällig bezeichnen würde, hätte man ihn nicht schon so oft über rote Teppiche schreiten oder im Bildteil von Schriftsteller-Biografien auftauchen sehen. Ja,...
Wer kennt sie nicht, die Barcarole aus Jacques Offenbachs Oper «Hoffmanns Erzählungen»? Eigentlich entstammt sie der Ouvertüre der siebzehn Jahre zuvor entstandenen, für Wien komponierten, dort auch erfolgreich uraufgeführten Oper «Les Fées du Rhin», deren deutscher Titel etwas irreführend «Die Rheinnixen» heißt. Denn um Nixen im Sinne von Undinen geht es in dem...
