Dicke Tränen, süßer Duft
Nebel lastet auf Cornwall, tiefe Trübsal, auswegloser Schmerz. Schwer atmet die Musik, beinahe so, als wäre sie zu Eis erstarrt, als gäbe es kein Morgen mehr. Doch kein Orchester spiegelt, in den uns bekannten, chromatischen Seufzern, diese Tristesse, sondern ein Klavier. Und deswegen ist es eben auch nicht jener irische Küstenort, an dem, tödlich verwundet, Tristan, der gefallene Held, darniederliegt. Es ist die Zürcher Villa «Asyl», die da vor unserem inneren Auge aufscheint.
«Im Treibhaus», eines jener Lieder, die Richard Wagner für seine zeitweilige Geliebte Mathilde Wesendonck komponierte als ein leises Les Adieux, wurde von seinem Schöpfer selbst, wie auch das Stück «Träume», als Studie zu dem während dieser Zeit wachsenden Musikdrama «Tristan und Isolde» bezeichnet. Man könnte auch sagen: als eine Art klingende Kreidezeichnung, die sich dann in ein von dunklen Farbtönen dominiertes Gemälde verwandelte.
Stéphanie d’Oustrac singt dieses Lied, von Pascal Jourdan am Flügel kongenial begleitet, mit irisierend fragiler Intensität und einer Hingabe, die überwältigt, ohne je ins Pathetische abzugleiten. Jedes Wort gleicht einer dicken Träne, die sich aus den hochgewölbten ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Jürgen Otten
JUBILARE
Ingeborg Springer wurde im schlesischen Waldenburg geboren und wuchs in Schwerin auf. Nach ihrem Studium an der Musikhochschule Berlin debütierte die Mezzosopranistin 1964 als Mercédès in Bizets «Carmen» an der Staatsoper Dresden, der sie bis 1968 angehörte. Anschließend war sie bis 1983 Ensemblemitglied der Berliner Staatsoper. Im Haus Unter den Linden...
Eine solche Szene gab es noch nie in der Oper Halle: Mitten im Pressegespräch über die neue Spielzeit, zu der das Haus Mitte Mai eingeladen hatte, schnappt sich ein Mitglied des Aufsichtsrats der Theater, Oper und Orchester GmbH (TOOH) das Mikrofon und gibt ungefragt ein Statement in eigener Sache ab. Ein SPD-Stadtrat, der zuvor den Intendanten öffentlich als...
Gelegentlich öffnet sich der Himmel des Liedgesangs. Für den Schreiber dieser Zeilen war’s etwa im Frühjahr 1964, als er in Graz Fritz Wunderlich mit Schumanns «Dichterliebe» live hörte. Die Einspielung dieses Zyklus durch den Tenor und Hubert Giesen darf als Referenz gelten; freilich folgt sie der auch heute noch weithin benutzten, 16 Lieder umfassenden...
