Dicke Tränen, süßer Duft
Nebel lastet auf Cornwall, tiefe Trübsal, auswegloser Schmerz. Schwer atmet die Musik, beinahe so, als wäre sie zu Eis erstarrt, als gäbe es kein Morgen mehr. Doch kein Orchester spiegelt, in den uns bekannten, chromatischen Seufzern, diese Tristesse, sondern ein Klavier. Und deswegen ist es eben auch nicht jener irische Küstenort, an dem, tödlich verwundet, Tristan, der gefallene Held, darniederliegt. Es ist die Zürcher Villa «Asyl», die da vor unserem inneren Auge aufscheint.
«Im Treibhaus», eines jener Lieder, die Richard Wagner für seine zeitweilige Geliebte Mathilde Wesendonck komponierte als ein leises Les Adieux, wurde von seinem Schöpfer selbst, wie auch das Stück «Träume», als Studie zu dem während dieser Zeit wachsenden Musikdrama «Tristan und Isolde» bezeichnet. Man könnte auch sagen: als eine Art klingende Kreidezeichnung, die sich dann in ein von dunklen Farbtönen dominiertes Gemälde verwandelte.
Stéphanie d’Oustrac singt dieses Lied, von Pascal Jourdan am Flügel kongenial begleitet, mit irisierend fragiler Intensität und einer Hingabe, die überwältigt, ohne je ins Pathetische abzugleiten. Jedes Wort gleicht einer dicken Träne, die sich aus den hochgewölbten ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Jürgen Otten
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Bald sind es vier Jahrzehnte. So lange wird Carola Fischer dann als Solistin auf der Bühne des Staatstheaters Cottbus gestanden haben. Aber was heißt hier: gestanden? Fast alle für ihren Mezzosopran geeigneten Rollen hat die gebürtige Berlinerin an dem Haus gesungen, von den leichten bis zu den schweren Fächern, von Mozarts quirligem Cherubino bis zu Wagners...
Unter dem Datum 1. Mai 1844 berichtet Heinrich Heine in seinem Paris-Buch «Lutetia» von einer schönen Begebenheit: «Einen ungeheuren Beifall findet Scribes neue Oper ‹Die Sirene›, wozu Auber die Musik geschrieben.» Damals ein Repertoire-Renner, ist das Stück heute nicht einmal mehr dem Titel nach bekannt. Völlig zu Unrecht, wie man jetzt dank der Initiative des...
