Hübsch
Überirdisch gleißend strahlt Echnaton. Weißes Tuch fällt an seinen Armen herunter, der Brustpanzer funkelt golden. Das Volk zu seinen Füßen lässt sich blenden, neigt die Köpfe, bejubelt den neuen Pharao – und vergisst dabei völlig, dass es selbst im Dunkeln steht.
Nach «Einstein on the Beach» (2017) steht mit «Echnaton» bereits zum zweiten Mal ein Stück von Philipp Glass auf dem Dortmunder Spielplan. Auch dieses Werk ehrt eine historische Persönlichkeit, die mit visionären Ideen ihre Umwelt umkrempelte.
Das Sujet ist allerdings politischer, die Handlung (weitgehend) biografisch verankert: Echnaton erklärt als erste Amtshandlung den Sonnengott Aton zum einzig gültigen Gott und sich selbst zu dessen irdischem Vertreter. Er beseitigt die alten Priesterkasten und gründet zu Ehren Atons eine neue Stadt. Das Volk lässt sich jedoch von den Priestern aufstacheln, es kommt zum Aufstand, schließlich zum Umsturz.
Ursprünglich sollte der Choreograf Demis Volpi inszenieren; ihm schwebte ein radikales, aufrüttelndes Spektakel vor, Intendant Heribert Germeshausen hingegen ein niederschwelliges Fest der Sinne. Im Dezember trennte man sich einvernehmlich, kurzfristig sprang Giuseppe Spota ein, ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Thilo Braun
Eine bunte, mondäne Badegesellschaft bespaßt sich an einem Swimmingpool, während etwas abseits mit zerquältem Gesichtsausdruck eine Männergestalt herumstapft, die in ihrem braunen Cordsamtanzug nicht im Geringsten zu dem kapriziösen Freibadambiente passen will, offensichtlich aber gern bei der Party dabei wäre. In tosender Verzweiflung glaubt sich dieser...
In der Phase ihrer tiefsten Depression wachte Sarah Kane jeden Morgen um 4.48 Uhr in einem Zustand größter Klarheit auf. Vielleicht muss man es sich so vorstellen, dass sie in diesem Moment alle Ängste, jede Verzweiflung, die ganze Zerrissenheit notierte. Ihr letztes Stück heißt «4.48 Psychose»; kaum war es fertig, brachte Kane sich um, Anfang 1999. Eineinhalb...
Die Frage lässt sich wohl kaum intuitiv beantworten und hat mit persönlichem Geschmack wenig zu tun: Machen die Musiker wirklich das, was der Komponist sich vorgestellt hat? Auch der Blick in den Klavierauszug gibt nur pauschal Auskunft. Um hier tiefer einzudringen, bedient sich der an vielschichtigem Verstehen interessierte Hörer dessen, was der Dirigent...
