Deutschstunde
Wer tief in die deutsche Seele blicken will, muss bei Mitternacht in die Wolfsschlucht. Jenes vermeintlich schicksalsschwere c-Moll-Gebiet, dessen Konturen erst sichtbar werden, nachdem sich der fis-Moll-Nebel verzogen hat und Samiel auf den Plan tritt.
An diesem schauderhaften Ort samt seiner meteorologischen Unmöglichkeit (zwei Gewitter zucken gleichzeitig aus entgegengesetzten Richtungen) zeigt sich inmitten von Eulen, Raben, Adlerflügeln, Gießkelle und Totenköpfen der Hang der Nation zum bleiern beschwerten Aber- und Geisterglauben, ihr Verfangensein in einer durch grimmige Metaphysik erweiterten Romantik, die das Eigene im Grunde nicht (an-)erkennen will und deswegen das Andere verfemt; es offenbart sich das wahre deutsche Wesen, an dem niemand je genesen wird. Der Abgrund menschlicher Verfehlung.
Tatjana Gürbaca weist uns den Weg in diesen Abgrund. Mit der Pointe, dass er schon existiert seit Beginn der Oper und auch kein Ort zum Fürchten ist. Sondern, metaphorisch gesprochen, eine Schule, von Bühnenbildner Klaus Grünberg matt ausgeleuchtet. Vor einem Rundhorizont stehen die Fassaden giebelbedachter Schieferhäuser. Sie sind beschrieben wie Tafeln in einem Klassenzimmer. Aus ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Otten
Das amerikanische Label RCA war zu Beginn der 1950er-Jahre der Pionier stereofoner Orchester-Aufnahmen. Decca setzte wenig später in Europa Maßstäbe bei Opernproduktionen mit der neuen Technik. Jahrzehnte garantierte das in diesen Jahren entwickelte Mikrofon-Modell, der Decca-Tree, der Firma technische überragende Einspielungen. Zwei berühmte Beispiele der jungen...
Das Unheil kündigt sich mit leisen, beinahe zarten Klängen an. Kaum merklich schickt die Tuba dunkle Töne aus der Tiefe des groß besetzten Orchesters. Es stimmt etwas nicht mit diesem Fluss, der da erhaben, in bühnenbreiten Video-Bildern (Arian Andiel) strömt. Bald schieben sich Bläser bedrohlich vor, knistern Dissonanzen, und aus dem Off dringen die Geräusche...
Gilda und Rigoletto belauschen von draußen, wie sich der Herzog in der Wirtsstube an Maddalena heranmacht: Die zentrale Quartett-Szene im dritten Akt fasst simultanes Geschehen in getrennten Räumen musikalisch zusammen und bringt das Drama damit auf den Punkt. Denn Gilda ist nun gezwungen zu erkennen, wer ihre Entführung aus dem väterlichen Haus veranlasst hat –...
