Deus ex machina
Mondsüchtiger Taumel, laszive Erotik, rasende Obsessionen – schon die betörend schillernde Klarinettenfigur, mit der Strauss die Prinzessin aus Judäa einführt, lässt keinen Zweifel, dass sich etwas zusammenbraut. Im sehrenden Anfang schwingt das tödliche Ende bereits mit. All die Exzesse, Fantasien und Gefühlsexplosionen, die der 1905 in Dresden uraufgeführten «Salome» den (für den Komponisten höchst einträglichen) Ruf eines Skandalstücks bescherten, scheinen, raffiniert maskiert, in diese erste Arabeske eingeschrieben – Klangchiffre einer vergifteten Verführung.
Man hätte gern vernommen, wie Christoph von Dohnányi dieses Motiv mit der Staatskapelle aufgegriffen, wie er die unwiderstehlich unheilvolle cis-Moll-Strahlung entzündet und befeuert hätte, bis sie mit Salomes verzücktem Schlussgesang («Ah! Du wolltest mich deinen Mund nicht küssen lassen») alles verbrennt wie das höllenheiße Licht eines sterbenden Sterns. Unvergessen ist die «Salome», die von Dohnányi vor 26 Jahren am Pult der Wiener Philharmoniker in Salzburg dirigierte, mit Catherine Malfitano, dem jungen Bryn Terfel als Jochanaan, mit Hanna Schwarz (Herodias) und Kenneth Riegel (Herodes). Die Spannung zwischen Intimität ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 13
von Albrecht Thiemann
In einer theaterinternen Typologie werden Repertoireopern gern Etiketten aufgeklebt: «Fidelio» und «Freischütz» sind heute immer heikle «Interpretationsfälle», der «Ring» ein Prüfstein, die «Soldaten» eine Herausforderung, die «Lustige Witwe» etwas für die Kasse - und «Hänsel und Gretel» etwas für die ganze Familie. Zur letzten Kategorie gezählt wird häufig auch...
«Traurig», stöhnte der Meister übers Libretto aus der Textwerkstatt à la Scribe, «demütigend», «uninteressant». Dann auch noch eine Primadonna, die kurzfristig aus Paris verschwand: Giuseppe Verdis «Les Vêpres siciliennes», so scheint es, sind die Presswehen noch heute anzumerken. Also Machwerk? Oder doch Vorzeichen der Moderne? Dabei fällt der Fünfakter ja gar...
Frau Bridges, Sie wollten mal Basketball-Profi werden. Letztlich haben Sie sich für eine Sängerkarriere entscheiden. Ist Singen Leistungssport?
Aber sicher. Es geht da natürlich nicht so athletisch zur Sache wie beim Training oder im Spiel auf dem Feld. Doch auch auf der Bühne muss man Höchstleistungen bringen. Ich war nie mit Mittelmaß zufrieden, auch früher nicht...
