Salonrevoluzzer
Nicht Falstaff gab den Helden an der Berliner Staatsoper, nicht Parsifal, Daniel Barenboim war es. An den neun Festtagen seines Osterfestivals stand der nie Ermüdende sieben Abende lang am Pult und dirigierte die Letztwerke Verdis und Wagners, je zweimal «Parsifal» und «Falstaff» – und wie zur Entspannung dazwischen im Konzert Mahlers Siebte (mit den Wiener Philharmonikern) und Debussys raren «Martyre de Saint Sébastien». Von Ermattung der Staatskapelle oder ihres Chefs auch in der zweiten «Falstaff»-Aufführung keine Spur.
Barenboim, der altgediente Wagner-Kämpfer, stürzte sich Hals über Kopf ins lospolternde Verdi-Vorspiel und ließ hören, wie sehr ihn die subtile Komik der genial durchrhythmisierten Partitur mitreißt, ihn zum Kommunizieren in elaboriertester Klangsprache antreibt – auch wenn das ästhetische Gegenmodell des deutschen Bühnenweihfestspiels gelegentlich hereinwehen mochte ins nunmehr sanierte, akustisch aufgerüstete Knobelsdorffhaus Unter den Linden.
Barenboim hat keineswegs nur die breite Ernsthaftigkeit deutscher Orchestersprache verinnerlicht, man spürt seine Lust, das elegant Tänzelnde oder die auftrumpfende Herrschaftsmanier des sich mal einschmeichelnden, mal ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Wolfgang Schreiber
Gibt es eine «gelungene» sowjetische Oper nach 1945? Schwer zu sagen, was im Jahr 1959 vielleicht eine gewagte Satire war, die in der Periode von Tauwetter und Entstalinisierung ideologisch gepusht wurde, erscheint heute einem Bühnenmann und Regisseur wie Dominique Horwitz nur als fade Beschönigung der wirklichen Verhältnisse im Realsozialismus.
Die Rede ist von...
«Man hält sie für eine Lügnerin, eine Hochstaplerin, ein hysterisches Weib – und sie ist schließlich so unglücklich! Ich wollte, alle hätten sie gern.» Mit diesen Worten verteidigte Janáček seine Heldin, die alterslose Emilia Marty alias Elina Makropulos. Er führt sie uns fast die ganze Oper hindurch vor, wie sie von außen gesehen wird: in bizarren Klangbildern,...
«Die Ausflüge des Herrn Brouček» gehören zu den selten gezeigten Meisterwerken Janáčeks. Und zwar deswegen, weil die 1917, unmittelbar vor «Katja Kabanowa» entstandene Oper nicht als solches gilt. Begründet wird das Urteil mit dem chaotischen Libretto, an dem mindestens vier Autoren beteiligt waren, unter ihnen auch der Komponist; schon die literarische Vorlage ist...
