Despoten mit Herz

Verdi und Lortzing – zwei posthume CD-Erstveröffentlichungen mit dem Bassisten Gottlob Frick

Für die Nachwelt bleibt der Name Gottlob Frick mit der deutschen Oper verbunden, mit Mozart, Beethoven, Weber, Lortzing und vor allem Wagner. Seine Glanzrollen in diesem Repertoire hat Frick in kompletten Einspielungen hinterlassen. Seine Lieblingspartie jedoch, Philipp in Verdis «Don Carlos», war bislang nur in Ausschnitten dokumentiert, was allein daran liegt, dass er diese Partie stets auf Deutsch gesungen hat. Das war in den fünfziger und sechziger Jahren auf unseren Bühnen üblich, kam aber für den internationalen Schallplattenmarkt nicht infrage.

Das Hamburger Archiv für Gesangskunst hat nun die Katalog-Lücke gefüllt und den Mitschnitt einer Aufführung von 1965 aus dem Münchner Nationaltheater in ausgezeichneter Tonqualität auf den Markt gebracht. Sie liefert den Beweis, dass es Frick als Philipp mit den besten internationalen Fachvertretern seiner Zeit aufnehmen konnte. Nicht nur in sängerischer Hinsicht. Die Klangfülle seines warmen, schwarzen Basses kann sich in Verdis Kantilenen voll entfalten, doch vermittelt er darüber hinaus ein zwingendes Psychogramm des einsamen Despoten, der zwischen unmenschlicher Härte und tiefer Verletzlichkeit hin- und hergerissen ist, selbst ein ...

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Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 24
von Ekkehard Pluta

Weitere Beiträge
Fachwechsel können schmerzlich sein

Christa Ludwig hat dem Thema ihre Autobiografie gewidmet. Der Titel des Buches lautet: «… und ich wäre so gern Primadonna gewesen», und die große Sängerin beschreibt ihren Jahre dauernden Kampf mit der Entscheidung: Bleibe ich Mezzosopran – oder wird aus dem Ausflug ins Sopranfach eine neue Karriere? Dass dieser offenbar manchmal durchaus ersehnte Fachwechsel auch...

TV-Klassiktipps

ARTE
1./7./13.2. – 6.00 Uhr
Das Trio Wanderer                                                                                       interpretiert Liszt und Chopin.

2.2. – 6.00 Uhr
Flötenkonzert zum 300. Geburtstag Friedrichs d. Gr.
Kammerphilharmonie Potsdam, Trevor Pinnock. Solist: Emmanuel Pahud.

3./9.2. – 6.00 Uhr
Lang Lang spielt Liszt.
Liebestraum, Paganini-Etüden u....

Irrsinnsglück

Nein, diese Oper hat keinen guten Ruf. Was natürlich auch mit ihrem Genre zusammenhängt. 1842 schrieb Gaetano Donizetti seine «Linda di Chamounix» für das Wiener Kärntnertortheater, das damals von einem Italiener geleitet wurde. Und der wollte gern die Triumphe wiederholen, die vorher Rossini in der Habsburgerhauptstadt gefeiert hatte. Deshalb vielleicht wurde die...