Der Welt abhanden gekommen
Der Lyriker bleibt am längsten mit dem Musiker geeint», schreibt Friedrich Nietzsche in «Götzen-Dämmerung», auch wenn die Künste sich «allmählich spezialisiert und voneinander abgetrennt» hätten. Mit beiden Kunstgattungen war Nietzsche eng vertraut: Bis etwa zum 30. Lebensjahr komponierte er selbst, auch wenn er wusste, dass er dabei unter der Messlatte der von ihm geschätzten Komponisten blieb. Die Lyrik dagegen begleitete Nietzsche lebenslang, Gedichte entstanden schubweise in mehreren Phasen.
Der Einfluss der beiden Künste reicht so weit, dass man durchaus zögern darf, Nietzsche einen Philosophen in der Weise zu nennen, wie Kant oder Hegel das waren. Er gehörte nicht nur zu den wenigen seiner Zunft, die kompetent, wenn auch leidenschaftlich Partei ergreifend über Musik schreiben konnten. Seine Musikalität hat einen neuen Begriff von Philosophie geschaffen, an zentralen Stellen kippen auch die philosophischen Texte immer wieder ins Gedicht, in den Klang, ja in eine tänzerische Logik der Bewegung.
Kein Wunder also, dass sich Komponisten immer wieder magisch von Nietzsche angezogen fühlten und fühlen. Der Bariton Peter Schöne und der Pianist, Komponist und Performer Moritz Eggert ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Michael Stallknecht
Wie klingt es, wenn jemand zur Salzsäure erstarrt? Wie tönt es, wenn Sodom und Gomorrha in Schutt und Asche gelegt werden? Antworten gibt der italienische Komponist Giorgio Battistelli in seiner neuesten Oper «Lot», die jetzt mit zweijähriger Verspätung in Hannover uraufgeführt wurde.
Dass die erste Frage dann doch offen bleibt, liegt an der Librettistin Jenny...
Wir stellen uns die Szene vor. Ein Mensch, einsam beschwert, in der Natur. Schwere Wolken über ihm, neben ihm, in ihm. Er weiß, die Wanderung, die er antritt, wird ihn auf eine Straße bringen, «die noch keiner ging zurück». Und so marschiert er los, ein Riesengepäck auf seiner Seele – aber auf samtenem Klangpfade. Bereits die ersten silbrig-verhangenen Töne der...
Endlich hat die Met ihren schwergängigen, vom Publikum indes heißgeliebten «Rosenkavalier» von 1969 in den Ruhestand geschickt. Fortan wird er in jener raffinierten, oft geschäftigen Inszenierung gegeben, die Robert Carsen Ende letzten Jahres an Covent Garden herausbrachte. Paul Steinberg lieferte dazu die im Stil der Sezession gehaltenen, nicht immer attraktiven...
