Der Weg ins Freie
Im Wien des malerischen Goldgrunds finden wir uns auf diesem Album, spüren das besondere Flair des Fin de Siècle von Klimt und Schiele, Schnitzler und Freud. Und auch jenes von Alma Mahler, jener Frau, die dieses Wien lebte wie kaum eine andere. Eine Hochbegabte, die aufgrund der damaligen fest verfügten Geschlechterordnung ihr musikalisches Talent zunächst kaum ausleben konnte, da ihr Mann ihr das Komponieren verbot. Worauf sie, vermutlich nicht ohne Ironie, in ihr Tagebuch schrieb: «Sich unterzuordnen – das Weib.
Zu herrschen – der Mann»; und Jahre später in «Mein Leben» die Erkenntnis vermerkte, die Gustav Mahler kurz vor seinem Tod ereilte: «Was habe ich getan! Deine Sachen sind ja gut!»
Mit den «Sachen» meinte er unter anderem jene Lieder, die zu veröffentlichen er ihr verboten hatte. Natürlich merkt man den Vokalkompositionen an, dass Alma bei Alexander von Zemlinsky studiert hatte. Vier davon, nach Texten von Richard Dehmel, setzt das Album «Seelenübervoll» an den Beginn. Wobei die Zeilen in «O zürne nicht, wenn mein Begehren/ dunkel aus seinen Grenzen bricht, / Soll es uns selber nicht verzehren, / muss es heraus ans Licht ...» im Lied «Ansturm» so etwas wie eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 33
von Gerhard Persché
Nach einem launigen Versicherungsvertreter klingt der Name – oder nach Sparkasse, ein bisschen auch nach Max Mustermann. Doch Hermann Ludwig Müller ist ein garstiger Zeitgenosse. Mischt sich ständig ein in die Handlung, bedrängt die Figuren, zitiert Deutsches aus allen Literaturgewichtsklassen, zündelt, ist zynisch. Einmal schreit Müller in der virtuosen...
Eigentlich war, sieht man von den Wolken ab, die mürrisch über dem Festspielhaus kreisten und einen missmutigen Blick auf Arno Brekers frisch eingeweihte Wagner-Büste warfen, vieles wie immer an diesem 16. August 1955 in Bayreuth. Auf dem Programm stand Wieland Wagners «Parsifal»-Inszenierung, die ihre Premiere vier Jahre zuvor, bei den ersten Bayreuther...
Schicksal? Zufall? Oder westeuropäische Arroganz? Merkwürdig ist die Causa allemal. Während er in seiner US-Heimat zu den großen Komponisten des 20. Jahrhunderts zählt, nahezu gleichberechtigt mit dem anderen «Außenseiter» Charles Ives und den Vertretern der Minimal Music (John Adams, Philip Glass, Steve Reich), ist Samuel Barber vielen Musikliebhabern diesseits...
