Sich lieben
So klingt die Sehnsucht, wenn sie utopisch ist: «Die blühenden Bäume verlieren die Blüten nicht mehr in dem ewigen Morgen ...» Hilde Domin schrieb diesen Vers im Exil der Dominikanischen Republik, ihrer «Inselkäfigexistenz». Zugleich sind es die letzten Worte jenes Zyklus aus sieben Liedern für Frauenstimme, den Stefan Heucke (unter dem Titel «Dennoch») auf Texte von Domin für Anne Schwanewilms komponierte.
Vor den Nazis über Italien und England nach Santo Domingo geflohen, sehnte sich die deutsch-jüdische Dichterin nach einem Daheim, das ihr Mann, der Archäologe Erwin Walter Palm, ihr nicht gab. Er selbst konnte der Enge durch berufliche Reisen entfliehen; seine Frau hingegen blieb oft auf der Insel gefangen. Die Ehe verfiel zunehmend durch Entfremdung und Hildes wachsende Einsamkeit; sie beschrieb dies einmal mit der Zeile «Jedes Achselzucken von Dir, jeder halbe Blick verdünnt mir das Herzblut». Anne Schwanewilms, begleitet vom Pianisten Manuel Lange und dem Rezitator Wolf-Dietrich Rammler, vermittelt diese Entfremdung wie auch die Empathie der Texte, den Appell an «Humanität bei Lebzeiten» facettenreich und mit Überzeugung.
Szenenwechsel: Als der junge Alban Berg die Sängerin ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 34
von Gerhard Persché
Als Frau auf die Welt zu kommen sei «die größte Strafe», sagt Amelia in Federico García Lorcas Schauspiel «Bernarda Albas Haus». Es ist die letzte unter den großen Frauentragödien des 1936 von den Faschisten ermordeten spanischen Dichters, die sämtlich von der Unterdrückung weiblicher Sexualität, von der verwehrten Erfüllung weiblicher Liebe in einer archaischen...
Ein Gemetzel. Verursacht von rasenden Mänaden, die taub sind für den Gesang des sagenhaften Sängers. Und ein Schluss, wie er sich offenbar nicht geziemt für die Oper, wo nicht zuletzt die Financiers samt vergnügungsseligem Publikum nach dem Happy End verlangten. Das war schon ganz am Anfang so, bei Claudio Monteverdi, der seinen Orfeo von Papa Apoll begleitet in...
Marta Gardolińska liebt das offene Wort. Bemerkenswert und rasant seien die Veränderungen im Musikgeschäft – anregende #MeToo-Debatten, neue Regeln über Parität an Opernhäusern, vor allem in Skandinavien, Fellowships für Dirigentinnen, von denen auch sie profitiert habe – mit einem Wort: Die Tore seien plötzlich offen gewesen, gerade in Frankreich, wo binnen...
