Sich lieben
So klingt die Sehnsucht, wenn sie utopisch ist: «Die blühenden Bäume verlieren die Blüten nicht mehr in dem ewigen Morgen ...» Hilde Domin schrieb diesen Vers im Exil der Dominikanischen Republik, ihrer «Inselkäfigexistenz». Zugleich sind es die letzten Worte jenes Zyklus aus sieben Liedern für Frauenstimme, den Stefan Heucke (unter dem Titel «Dennoch») auf Texte von Domin für Anne Schwanewilms komponierte.
Vor den Nazis über Italien und England nach Santo Domingo geflohen, sehnte sich die deutsch-jüdische Dichterin nach einem Daheim, das ihr Mann, der Archäologe Erwin Walter Palm, ihr nicht gab. Er selbst konnte der Enge durch berufliche Reisen entfliehen; seine Frau hingegen blieb oft auf der Insel gefangen. Die Ehe verfiel zunehmend durch Entfremdung und Hildes wachsende Einsamkeit; sie beschrieb dies einmal mit der Zeile «Jedes Achselzucken von Dir, jeder halbe Blick verdünnt mir das Herzblut». Anne Schwanewilms, begleitet vom Pianisten Manuel Lange und dem Rezitator Wolf-Dietrich Rammler, vermittelt diese Entfremdung wie auch die Empathie der Texte, den Appell an «Humanität bei Lebzeiten» facettenreich und mit Überzeugung.
Szenenwechsel: Als der junge Alban Berg die Sängerin ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 34
von Gerhard Persché
Die Herzen lassen sich nicht betrügen, aber Augentäuschungen zeigen sich allerorten. Von der Weihnachtsmärchen- geht es zur Barocktheaterillusion, vom Zimmer eines Riesen mit gigantischer Milchtüte der Hausmarke «si!» zum Schwetzinger Schlossgarten mit dem attraktiven Bild «Das Ende der Welt» am Ende eines Laubengangs. Selbst die tristen Pfeiler einer...
Eigentlich war, sieht man von den Wolken ab, die mürrisch über dem Festspielhaus kreisten und einen missmutigen Blick auf Arno Brekers frisch eingeweihte Wagner-Büste warfen, vieles wie immer an diesem 16. August 1955 in Bayreuth. Auf dem Programm stand Wieland Wagners «Parsifal»-Inszenierung, die ihre Premiere vier Jahre zuvor, bei den ersten Bayreuther...
Im Wien des malerischen Goldgrunds finden wir uns auf diesem Album, spüren das besondere Flair des Fin de Siècle von Klimt und Schiele, Schnitzler und Freud. Und auch jenes von Alma Mahler, jener Frau, die dieses Wien lebte wie kaum eine andere. Eine Hochbegabte, die aufgrund der damaligen fest verfügten Geschlechterordnung ihr musikalisches Talent zunächst kaum...
