Die Nackten und die Toten

Das zeitgenössische Musiktheater auf der Suche nach Sinn, Form und Klang: «Ophelia» von Sarah Nemtsov in Saarbrücken, das «MAUSER Triptychon» in Schwerin und Sciarrinos «Venere e Adone» in Hamburg

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Dieses Bild ist nichts für zarte Gemüter. Ein unwirtlich-steriles Krankenhauszimmer in trübem Grauweiß, gerade mal zwei Meter hoch, vollgestellt mit Gerätschaften. Mittendrin ein schmales Bett, darin, mit dem Tropf verbunden, eine Schlafend-Träumende: Ophelia. Halb weilt sie, von Horatio, dem treuen Freund, behutsam bewacht, noch unter den Lebenden, halb liegt sie schon im Todeskampf, Szenen aus ihrem zurückliegenden Leben imaginierend. Während sie es tut, quetschen sich von den Seiten all jene Geister in den Raum, die sich schuldig gemacht haben an ihr, an ihrer Liebe zu Hamlet.

Lauter schwankende Gestalten aus einer verblichenen (Unter-)Welt, wahnhaft in ihrer Erscheinung, irre in ihrem Tun, grotesk verzerrt in den (von Bühnenbildner Fabian Liszt ersonnenen) Videoprojektionen. Und umgeben von einer Musik, die schon fast keine Musik mehr ist. Vielmehr ein anarchistisch wucherndes Amalgam aus herben, zerrissenen Klängen, hintergründig pochendem Puls, scharfkantigen, knarrend und quietschend aneinanderreibenden, elektronisch generierten Geräuschen. Grobschlächtig und massiv ist dieser Klangrausch – und in gewisser Weise selbst schon durchgedreht.

«Ophelia» von Sarah Nemtsov auf ein ...

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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Jürgen Otten

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