Der Verzauberer

Jürgen Flimm über die Arbeit mit Christoph Schlingensief

Da saß er nun endlich im Ruhrtriennale-Büro und redete auf mich ein. Die Haare standen ihm vom Kopf, als wäre er gerade in einen Sonnensturm geraten. Seine dunklen Augen glänzten und ließen nicht los. Er erzählte von der unterirdischen Stadt, die sich von Duisburg bis Dortmund erstreckte, von den großen Bahnhöfen untertage und wollte dort irgendwo unbedingt ein großes Objekt aufstellen. Dieser Plan schlug fehl. Zu kompliziert, zu teuer, keine Transportwege.

Was also tun mit ihm dem Oberhausener, der direkt aus dem Revier kam? Das letzte Mal hatten wir uns in der Bayreuther Kantine gesehen. Er hatte das Schicksal aller Regisseure auf dem Hügel erlitten, als sich das dortige Establishment widerborstig auch gegen ihn stellte und seine Arbeit behinderte. Sie konnten sich eben vorher nicht vorstellen, wer er war. Wir haben dann viel telefoniert, er hat mich oft gefragt, wie man den störrischen Altvorderen Paroli bieten könne. Da hatte ich Erfahrung. In einem dieser Gespräche verabredeten wir kurzerhand, er solle bei der Ruhrtriennale arbeiten.

Wir hatten freilich alle ein wenig Angst vor ihm, seiner ungebärdigen Fantasie und vor diesem extrem starken und ehrgeizigen Willen. Kann man das ...

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Opernwelt Jahrbuch 2010
Rubrik: Christoph Schlingensief, Seite 74
von Jürgen Flimm

Vergriffen
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