«Am Eros der Struktur arbeiten»
Richard Klein: Meine Damen und Herren, soweit Richard Wagners «Rheingold»-Vorspiel in der Inszenierung von Johanna Dombois.
Was wir gerade erlebt haben, scheint mir ein idealer Gegenstand für die Doppelaufgabe zu sein, über die Neuen Medien im Allgemeinen und Wagners «Ring» im Besonderen zu sprechen, wirft es doch von sich aus die Frage auf: Wie überhaupt anfangen? Wie kann Neues entstehen? Was mir an der «‹Ring›-Studie 01» als Erstes auffällt ist, dass sie mit den bildkünstlerischen Mitteln der Online-Welt «Second Life»® arbeitet, diese aber in den Dienst unseres «First Life» stellt: Das Ganze endet, wie wir gesehen haben, mit einer digitalen Apotheose nicht etwa des Internets, sondern des Zürcher Opernhauses (Abb. S. 62 u. 63 re.). Das könnte überraschen, sofern Sie womöglich eine Techno-Oper erwartet haben. Alt und Neu aber gehen hier eine Verbindung ein, bei der das eine das andere nicht ausschließt, sondern inspiriert. Fangen wir deshalb mit dieser Frage an: Warum Neue Medien in der Oper, warum in diesem Fall und warum überhaupt? Sodann: Was ist das Neue daran? Und wie verhält es sich zum Alten, zur «analogen Bühne«?
Johanna Dombois: Da fällt mir als Erstes ein Faust’sches ...
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Opernwelt Jahrbuch 2010
Rubrik: Oper und Neue Medien, Seite 58
von Johanna Dombois, Richard Klein
Liebermann: Sie greifen die Opernhäuser an und meinen die Autoren. Die Tatsache, daß die Komponisten Ihrer Ansicht nach keine Werke geschrieben haben, die die Musik weiterbringen oder bedeutungsvoll sind, heißt doch nicht, daß deswegen die Opernhäuser in die Luft gesprengt werden müßten. Die Komponisten sollten dann eher dran glauben; denn die Opernhäuser können ja...
Raymond Chandlers bester Roman nennt sich «The Long Good-Bye», und dieser Titel passt auch zu Ioan Holenders Abschied von der Wiener Staatsoper. Begleitet wurde dieser Abschied von einer langen Reihen von Aktionen: Matineen, Pressekonferenzen, Show-Interviews, Aufführungen. Darin eingeschlossen die Abschiedsvorstellung Ende Juni, Wagners «Parsifal», mit dem...
50 Jahre «Opernwelt» und «Theater heute»: Das haben wir zum Anlass genommen – nicht für einen Festakt, sondern für ein Fest. Es fand am 28. August im Berliner Schiller-Theater statt, einem Ort, der durch seine Geschichte mit dem Schauspiel und durch seine Zukunft mit der Oper verbunden ist. (Seit Oktober 2010 spielt dort die Berliner Staatsoper, danach wird ihn die...
