Die Geburt des Gesangs aus dem Geiste der Poesie
Kaum ein Sänger hat in jüngster Zeit Publikum und Kritik so fasziniert und zu beinahe widerspruchsloser Zustimmung bewegt wie der lyrische Bariton Christian Gerhaher. Diese Widerspruchslosigkeit ist für ihn selbst freilich keine reine Freude, ja erfüllt ihn mit leichtem Misstrauen dem Publikum, vor allem aber sich selbst gegenüber.
Sollte seine Gesangskunst einem Trend entsprechen, gar «Mode» sein? Kein Gedanke wäre ihm schrecklicher als dieser, ist es doch sein ganzes Streben, nur dem Anspruch der Kunst und seinem eigenen musikalischen Ethos zu folgen, die Gesetze des «Markts» und der Eventkultur, die ihn mit nichts als Ekel erfüllen, zu durchkreuzen und im Sinne Nietzsches unzeitgemäß zu sein. Daher ist ihm sein steigender Erfolg – vor allem in der zurückliegenden Spielzeit, die wohl für ihn eine der wichtigsten war –, so sehr er ihn naturgemäß freut, ein wenig verdächtig, ja unheimlich. Möchte er sich durch ihn doch nicht von der strengen Bahn, die er, der Moralist der Kunst, sich vorgezeichnet hat, abgelenkt werden. Christian Gerhaher ist nun einmal ein Grübler und Skeptiker, der alles, was er singt, hinterfragt – auch und vor allem sich selbst und seinen Gesang.
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