Der Unzeitgemäße

Eine Dokumentation über den Heldentenor Max Lorenz

Bis heute ist er umstritten. In Jürgen Kestings neuer, zweieinhalbtausend Seiten umfassender Ausgabe von «Die großen Sänger» sind Max Lorenz gerade mal eineinviertel Seiten gewidmet. Unter der Überschrift «Hitze und Hysterie» heißt es, sein Singen habe «den Charme des Kasernentons». Und dann wird Hitlers Parade-Siegfried mit einem einzigen Satz vernichtet: «Es gibt keinen Tenor von Rang, in dessen Singen die Rhetorik jener Zeit so grell und grässlich widerhallt wie bei diesem Irrweg zu Wagner.

» Die Zeitzeugen, die der neue Film von Eric Schulz und Claus Wischmann vor die Kamera lädt, sind da anderer Meinung – und doch absolut unverdächtig. Die Jüdin Hilde Zadek schwärmt mit leuchtenden Augen vom größten Heldentenor, den es je gab; Waldemar Kmentt erinnert sich mit Tränen in den Augen an ein zutiefst menschliches Vorbild; Dietrich Fischer-Dieskau erinnert daran, dass der Klang von Lorenz auch lange nach dem Zweiten Weltkrieg eine Art Idol war und dass heute nichts Vergleichbares existiert. Im Vergleich mit Lorenz, fügt er schmunzelnd hinzu, sei «alles nur heiße Luft».
Wie wahr! Wenn seit sechzig Jahren darüber geklagt wird, dass es keine echten Heldentenöre mehr gibt (ein Vorwurf, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2009
Rubrik: Medien/CDs, Seite 23
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Diktatur der Affekte

Der Mond über dem Palast des Herodes bleibt unsichtbar. Für den Pagen, der ihn mit «einer Frau» vergleicht, «die aufsteigt aus dem Grab»; für die Prinzessin, die ihn als «silberne Blume» besingt, «schön und keusch»; auch für den Tetrarchen, der in ihm «ein wahnwitziges Weib» erkennt, «das überall nach Buhlen sucht». Nicolas Brieger braucht für seine schlüssige...

Zwischen Aufbruch und Ärgernis

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich kann mir gut vorstellen, dass viele von Ihnen heute mit Skepsis ins Radialsystem gekommen sind. Sagen wir es mit einem Titel von Botho Strauß: Bekannte Gesichter – gemischte Gefühle. Was sollen sie denn bringen, solche Diskussionsrunden? Ist es nicht immer dasselbe: Letztlich reden die Beteiligten erst höflich, dann...

Tempi passati

In einer Zeit, in der echte Verdi-Sänger ebenso selten geworden sind wie echte Vertreter des Wagner-Fachs, greift der Sammler gern zu alten Mitschnitten und nimmt dabei sogar ein unbefriedigendes Klangbild in Kauf – wie in jenem «Otello» aus Buenos Aires, der nun vom Istituto Discografico Italiano erstmals legal veröffentlicht wird. Ramón Vinay, ein epochaler...