Der Unsichtbare
Im letzten Jahr ist eine fünfstündige Film-Dokumentation über die Entstehung des Mannheimer «Ring»-Zyklus erschienen. Man sieht alle Beteiligten auf der Bühne wie in den Werkstätten, vom Regisseur Achim Freyer bis zur Souffleuse und den Statisten. Nur einer bleibt ausgespart: der Opernintendant Klaus-Peter Kehr. Man hört lediglich seine Stimme aus dem Off, als er die Indisposition des Siegfried zu Beginn der Premiere der «Götterdämmerung» ansagt (siehe OW 9-10/2015). Dass er auch keine Homepage betreibt und kein Wikipedia-Eintrag über ihn informiert, passt ins Bild.
Mit Ende der Spielzeit 2015/16 hat der Unsichtbare das Haus verlassen – ohne Abschiedsfeier, ohne gedruckte Bilanz auf Hochglanzpapier. Am letzten Abend stand die «Götterdämmerung» auf dem Programm. Man kann das als einen letzten, auch ironischen Gruß ans Publikum sehen, als Wink mit dem Zaunpfahl an den Nachfolger, aber auch als unausgesprochen selbstbewusste Replik auf die Rochaden der Lokalpresse, die einst in seinem Engagement keinen guten Tag für Mannheim sehen wollte.
Kehr ist kein Mann der großen Worte, der Programme verkündet, Statements gibt, Inszenierungen verbal unterfüttert. Auch wer ihn lange kennt, kennt ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 100
von Uwe Schweikert
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Stuttgart bleibt für mich unvollendet. Nach dem Schock, den so ein Ende natürlich für die Biografie bedeutet, habe ich die ersten freien Jahre auch genossen. Doch der Wunsch war immer da, ein Opernhaus zu leiten. Und jetzt freue ich mich auf Mannheim. Mein...
Endlich ist er in Russland angekommen: Mieczyslaw Weinbergs «Idiot». Zwar gab es 1991 ein paar Aufführungen an der Pokrovsky Kammeroper in Moskau, doch gespielt wurde damals eine stark gekürzte Fassung, die bald vom Spielplan verschwand. Für das russische Publikum ist Weinberg bis heute eher ein namenloser Filmkomponist als Schöpfer von Klavier- und Kammermusik,...
Auf dem Cours Mirabeau und den anderen platanenumsäumten Boulevards flaniert sich’s wie immer, aber an Brennpunkten des öffentlichen Lebens wird die Veränderung doch merklich. Die liberté aus der Wunschparole der großen Revolution wird von der sécurité angefressen, und wo, bitte schön, ist die fraternité geblieben? Egalité wird an den Festspieleingängen...
