Doppelpack
Am Tag danach war sie schon wieder in der Altstadt unterwegs. Weißblaues Kleid, der Gatte farblich passend gewandet, der Sohn aus erster Ehe ebenfalls dabei. Jeder, der mochte, konnte Salzburgs Royal Patchwork-Family knipsen – Anna Netrebko nimmt das schmerzfrei, ja sportiv: Wo das weltteuerste Festival gerade an akuter Giga-Star-Armut krankt, muss man dem Publikum geben, soviel eben geht. Zum Beispiel auch eine konzertante «Manon Lescaut». Zu Puccinis Schlaglicht-Vierakter passt das nur bedingt, das Bühnenpersonal im Großen Festspielhaus schaltet daher auf halbszenisch um.
Bis hin zum Kniefall von Des Grieux und zum zweimaligen mutmaßlich echten Kuss – Yusif Eyvazov darf das, er ist der Ehemann und wird daher gerade etwas häufiger gebucht, als es seiner Vokalform gebührt.
Der Aserbaidschaner bringt gern sein robustes Tenorgeschütz in Stellung, um Schattierungen, Farbwechsel oder Ähnliches kümmert er sich nur bedingt. Alles ist ein, zwei Eichstriche zu laut, Eleganz wird allenfalls angedeutet. Dabei hat Eyvazov bestmögliches Anhörungsmaterial zur Verfügung. Nicht erst die Elsa im Dresdner «Lohengrin» hat die Netrebko auf die richtige Bahn gebracht (mit der Bayreuther Elsa 2018 ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Markus Thiel
Am Ende des zweiten Akts von Luigi Cherubinis «Ifigenia in Aulide» sind vier Seelen in Aufruhr. Agamemnon soll seine Tochter Iphigenie opfern, damit die Göttin Diana ihm Winde schickt und seine Schiffe endlich nach Troja auslaufen können. Iphigenie will sich dem Schicksal fügen, aber Achill, ihr Verlobter, ist nicht einverstanden. Odysseus drängt, den Willen Dianas...
Ein Schwall heißer Luft umfasst den Reisenden beim Verlassen des tiefgekühlten Regionalzuges. Gut so – obwohl wir am Bahnhof Schwerin angelangt sind, heißt unser wahres Reiseziel Ägypten. Verdis «Aida» steht diesen Sommer auf dem Spielplan der Schlossfestspiele. Ein durch die Straßen gellender Spitzenton und ein despektierliches «Mist, es geht los» eines...
Die Wiederbelebung vergessener und vernachlässigter (Bühnen-) Werke ist seit vielen Jahren das künstlerische Markenzeichen des Festivals della Valle d’Itria. Dass im Palazzo Ducale eine Partitur erklingt, die nie zuvor zu hören war, passiert freilich selbst im auf Raritäten abonnierten Martina Franca nicht alle Tage. Doch mit Saverio Mercadantes 1831 für Madrid...
